Auf dem Friedhof, unter Bäumen oder auf hoher See

Am Samstag, 28. November, ist Tag der offenen Tür im Palais Lerchenfeld mit einem großen Beratungs- und Informationsangebot rund um den Trauerfall

In der griechischen Mythologie ruderte der Fährmann Charon die Verstorbenen über den Totenfluss Acheron. Heute ist das Verhältnis zu Sterben und Tod viel pragmatischer, aber immer noch von Ängsten und Tabus geprägt.        Foto: Roth

 

Der Tod ist Teil des Lebens. Kommt ein Mensch aber mit dem Tod in Berührung, so fühlt er große Unsicherheit und Angst. Oft entstehen diese aus Unwissenheit und einer gewissen Tabuisierung heraus. Das Thema Sterben und Bestattung passt nicht in unsere Zeit, entzieht es sich doch jeder Quantifizierung. Jedoch müssen Angehörige weitreichende Entscheidungen werden, wenn ein nahe stehender Mensch stirbt. Es stellen sich Fragen wie: Was würde der Verstorbene wollen? Hätte er eine Feuerbestattung oder eine Erdbestattung gewollt? Welche Grabart entspricht seiner Persönlichkeit? Vieles spricht dafür, sich schon früh mit Angehörigen über Wünsche und Erwartungen auszutauschen oder vielleicht sogar über einen Bestattungsvorsorgevertrag nachzudenken.

Beim Tag der offenen Tür am Samstag, 28. November, im Palais Lerchenfeld, Damenstiftstraße 8, informieren und beraten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Städtischen Friedhöfe München und der Städtischen Bestattung von 9.30 bis 17.30 Uhr über ihre Arbeit und rund um das Thema Tod und Bestattung. Besucherinnen und Besucher können sich einen individuellen Überblick verschaffen – etwa über die neue Urnenanlage „Mosaikgärten“ am Westfriedhof oder über die „Bestattung unter Bäumen“. Zudem gibt es ein Vortragsprogramm, Beratungsangebote zu verschiedenen Themen und Führungen durch das Palais Lerchenfeld.

Im Vortragsraum sprechen Peter Kotzbauer und Christian Vogt von der Städtischen Bestattung um 10.30 Uhr über das Thema „Bestattungsvorsorge und Trauerfall“. Arndt Schulte Döinghaus von den Städtischen Friedhöfen München stellt um 12.30 Uhr in seinem Vortrag „Die Feuerbestattung im Münchner Krematorium am Ostfriedhof – Wissenswertes, Interessantes und Unbekanntes“ das städtische Krematorium vor.

Am Nachmittag, um 14.30 Uhr, können Besucherinnen und Besucher Trauermusik live mit Streichquartett und Gesang kennenlernen. Zum Abschluss des Tages klärt Rechtsanwalt Wolfgang Putz, Lehrbeauftragter der Ludwig-Maximilans-Universität München, um 16 Uhr in seinem Vortrag „Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung“ Fragen rund um dieses Thema. Führungen durch einen Teil des Palais Lerchenfeld gibt es um 9.45, 11.45, 13.45 und 15.45 Uhr, Treffpunkt ist jeweils im Foyer.

Die Städtische Bestattung präsentiert ihre Leistungen zur Gestaltung einer Bestattung, zur Bestattungsvorsorge, zur Grabpflege und informiert auch über alternative Bestattungsformen, zum Beispiel Seebestattung und Baumbestattung. Die Städtischen Friedhöfe München beantworten unter anderem Fragen zu den verschiedenen Grabangeboten, zu den Verabschiedungsräumen, zur Urnenaufbahrung, zu Gebühren, zur Einäscherung und auch zu den sogenannten Bestattungen von Amts wegen.

Die Städtischen Friedhöfe München führen Bestattungen und Trauerfeiern auf den Münchner Friedhöfen durch. Auch sind sie verantwortlich für die Pflege und den Unterhalt der Friedhöfe. Die Städtische Bestattung ist ein zuverlässiger und einfühlsamer Begleiter von Angehörigen auf dem letzten Weg eines Verstorbenen. Sie ist im Trauerfall – so wie ein privates Bestattungsunternehmen – ein professioneller Partner. 

Alle Vorträge und Beratungen beim Tag der offenen Tür im Palais Lerchenfeld sind kostenfrei. Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Vorträgen ist jedoch begrenzt. Programmänderungen sind möglich.

Weitere Informationen unter www.muenchen.de/friedhof.

 

 
 


Die Stärken der Kinder stärken

Mit ihrem speziellen Krisen-Interventions-Konzept unterstützt die AETAS Kinderstiftung junge Menschen mit schweren Traumata

 

Der Verlust eines Elternteils ist für Kinder und Jugendliche besonders schwer zu verkraften.

    Foto: AETAS

Es sind Meldungen in der Zeitung, im Radio oder im Fernsehen die uns erschüttern: Radfahrer tödlich verunglückt, er hinterlässt zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren. Brutaler Raubüberfall: Zwei vierzehnjährige Jugendliche mussten das schreckliche Geschehen mit ansehen. Schwer verletzte Frau liegt nach einem Verkehrsunfall auf der Intensivstation. Der dreijährige Sohn blieb unverletzt. Nach dem Selbstmord einer Lehrerin stehen die zehn- bis zwölfjährigen Schüler unter Schock ... Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was im Kopf bleibt? Vor allem diese Frage: Wer kümmert sich um die Kinder in Zeiten, in denen die Großfamilie nur noch rudimentär vorhanden ist?
Genau hier setzt die AETAS Kinderstiftung an. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht Kinder, und Jugendliche nach einem traumatischen Ereignis durch eine Kinder-Krisen-Intervention zu begleiten und zu stabilisieren. Betroffene Kinder und Jugendliche sollen in dieser dunklen Zeit Unterstützung erhalten. Die Betreuungsdauer richtet sich dabei nach dem persönlichen Bedarf. „Jedes Kind hat eine Chance verdient“, schreibt die AETAS Kinderstiftung und setzt diesen Leitsatz mit ihrem einzigartigen Kinder-Krisen-Interventions-Konzept um. Dessen Besonderheit: Es bezieht immer das persönliche Umfeld mit ein. Denn Kinder sind, viel mehr als Erwachsene, abhängig vom System ihrer Familie, ihres Lebensumfeldes.
Das umfangreiche Hilfsangebot umfasst unter anderen: schnelle Unterstützung in Krisensituationen, Unterstützung und Begleitung bei schwierigen Fragestellungen zur Bewältigung des Erlebten und zwar Schritt für Schritt. Das geschieht nach dem Stiftungsgrundprinzip: die Stärken der Kinder stärken.
Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigen nüchterne Zahlen: Alle zwei Minuten ist in Deutschland ein Kind einem dramatischen Lebensereignis ausgesetzt. Es gilt daher: Helfen, bevor kleine Seelen krank werden. Dafür hat die AETAS Kinderstiftung ein mehrstufiges Programm entwickelt: Sie leistet Krisenintervention, bietet anschließend eine weiterführende individuelle Begleitung und Beratung für Kinder/Jugendliche und deren Familien an. Die Stiftung steht mit einer offenen Sprechstunde Angehörigen und professionellen Begleitern zur Verfügung. Sie ist Beratungsstelle und Coach für Fachkräfte und Kindereinrichtungen. Zudem gibt es spezielle Gruppenangebote für Kinder.
Die Stiftung hat von 2014 bis heute 232 Einsätze geleistet. Dahinter stehen 232 traurige Schicksale von Kindern und Jugendlichen.     
AETAS Kinderstiftung, Baldurstr. 39,     
80638 München, www.aetas-kinderstiftung.de



Zeit des Gedenkens

Buß- und Bettag, Totensonntag und Volkstrauertag

Gedenktage bestimmen den Monat November. Sie sind für viele Menschen Anlass, die Gräber ihrer Angehörigen besuchen.
Für die evangelischen Christen ist der Buß- und Bettag von besonderer Bedeutung, auch wenn er seit 1995 kein gesetzlicher Feiertag mehr ist. Er fällt regelmäßig auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag der christlichen Zeitrechnung. Er geht auf alte, vorchristliche Traditionen zurück, nach denen Buße und Einkehr die Götter gnädig stimmen sollten.  Am Buß- und Bettag geht es den evangelischen Christen nicht darum, in Sack und Asche zu gehen, sondern um Umkehr und Sinneswandel. So ist der Tag auch in vielen Kirchengemeinden Anlass, auf soziale Missstände hinzuweisen.
Schon die unterschiedlichen Namen für den letzten Sonntag im Kirchenjahr, also den Sonntag vor dem ersten Advent, weisen auf die vielen Anliegen hin, die die Kirchen mit diesem Tag verbinden. Der Totensonntag soll an die äußerste Grenze, das Ende des menschlichen Lebens erinnern. Der Ewigkeitssonntag soll Trost vermitteln und die Angst vor dem Sterben nehmen. Der Christkönigssonntag schließlich soll in der katholischen Kirche die Macht und Herrlichkeit Jesu preisen.
Nicht die Kirchen, sondern König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hat 1816 per Kabinettsorder den Sonntag vor dem ersten Advent als „allgemeines Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ erklärt. Dafür gibt es mehrere Gründe: das Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege, die Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise und auch das Fehlen eines Totengedenkens im evangelischen Kirchenjahr. Die übrigen evangelischen Landeskirchen übernahmen diese Bestimmung. Heute werden in vielen evangelischen Gemeinden am  Totensonntag die Namen der Verstorbenen verlesen.
Der dritte wichtige Gedenktag im November ist der Volkstrauertag. Er wurde bereits 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. 1926 wurde entschieden, den Volkstrauertag regelmäßig am Sonntag Reminiscere, dem fünften Sonntag vor Ostern zu begehen. Ziel des Volksbundes war es, eine bei allen Deutschen einheitliche Erinnerung an das Leid des Krieges zu bewirken. Die Nationalsozialisten machten daraus den Heldengedenktag und schlachteten den Tag propagandistisch aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition des Volkstrauertages wieder aufgenommen – und auch als deutliche Abgrenzung zum Nazi-Regime an das Ende des Kirchenjahres verlegt. Heute wird, nicht nur in der zentralen Gedenkstunde im Bundestag, sondern vielerorts in eigenen Feiern der Toten der beiden Weltkriege und der Opfer der Gewaltherrschaft überall auf der Erde gedacht.
Sehr zum Missfallen mancher feiersüchtiger Partygänger sind diese Gedenktage nach wie vor sogenannte „stille Feiertage“, die zur Besinnung und zum Innehalten einladen.

 



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