
Ursprünglich ein Gottesacker für die Armen, wurde der Alte Südliche Friedhof im 19. Jahrhundert zur Begräbnisstätte der Reichen und Schönen.
Der Alte Südliche Friedhof besteht seit 450 Jahren – das würdigt die Stadt München mit einer Ausstellung, einer Festschrift und einem umfangreichen Programm
Das Motto „Wo München Ruhe findet“ hat auf dem Alten Südllichen Friedhof noch immer seine Berechtigung, auch wenn hier seit Ende 1943 keine Beisetzungen mehr stattfinden. Inmitten der Alltagshektik ist der aufgelassene Gottesacker eine Oase der Ruhe und der Besinnung geworden, zu einem Biotop für Fauna und Flora. Kein Wunder, dass er unter Natur- und Denkmalschutz steht.
Der Alte Südliche Friedhof wurde 1563 unter der Regentschaft von Herzog Heinrich V. außerhalb der Stadtmauern an der Ausfallstraße nach Thalkirchen angelegt. Neben den Pestopfern wurden hier vornehmlich
arme Menschen, gesellschaftliche Außenseiter und Selbstmörder bestattet. Er war also ganz im Gegensatz zu unserer heutigen Wahrnehmung eher eine Begräbnisstätte für die Underdogs der Gesellschaft. Protestanten und Juden blieb auf diesem Friedhof die letzte Ruhe verwehrt, wie die Stadt München auf ihrer Website schreibt (www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/
Referat-fuer-Gesundheit-und-Umwelt/Friedhof_und_Bestattung/SFM/Jubilaeum_Alter_Suedlicher_Friedhof.html).Nach einer wechselvollen Geschichte wurden 1789 auf Anordnung von Kurfürst Karl Theodor II. Bestattungen innerhalb der
Stadtmauern generell verboten. Damit ging der Alte Südliche Friedhof, der der Zentralfriedhof für München und das Friedhofswesen in München war, vollständig von kirchlicher in staatliche Verwaltung über.
Ab 1818 wurde der Alte Südliche Friedhof durch Gustav Vorherr und Friedrich von Sckell grundlegend umgestaltet und erhielt sein heutiges Aussehen. Im südlichen Halbkreis öffneten sich die Arkaden zu 97 Bögen, die für vornehme Familien gedacht waren. Schon bald beherrschten klassizistische Grabmäler den Friedhof. Es gab zudem öffentliche Ehrenplätze für berühmte Persönlichkeiten nach dem Vorbild des Pantheons in Paris. Doch so ganz waren die Armen nicht von einer Beisetzung auf dem „Prominentenfriedhof“ ausgeschlossen, auch, wenn 1828 in München fünf Begräbnisklassen eingeführt wurden. Damit wurden jeweils einheitliche Preise für Sarg, Sargausstattung, Sterbewäsche, Totentransport, Aufbahrung und Bestattung festgesetzt. So blieb auch im Tod die Trennung zwischen „unten“ und „oben“ bestehen. Im 1848 eröffneten neuen Leichenhaus im Alten Südlichen Friedhof war die Aufbahrung – entsprechend der gesellschaftlichen Stellung –
in getrennten Räumen vorgesehen.
Mit Eröffnung des Waldfriedhofes wurden im Alten Südlichen Friedhof keine neuen Familiengräber mehr vergeben. 1943 wurde das Gelände durch Bombenabwürfe
schwer beschädigt. Am Ende des gleichen Jahres wurde der Bestattungsbetrieb offiziell eingestellt. 1953 begann der Architekt Hans Döllgast mit der
Wiederherstellung des Friedhofes als interpretierenden Wiederaufbau“. 1973 wurde der gesamte Friedhof unter Denkmalschutz gestellt.
Auf dem Alten Südfriedhof sind etliche berühmte Frauen beigesetzt, auch wenn meistens nur die Männer Erwähnung finden. Unter den Frauen ist zum Beispiel Ellen Amman, eine Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht. Auch die Hofschauspielerin und Stifterin des Deutschen Theatermuseums, Klara Ziegler-Christen, hat hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, ebenso Franziska Freifrau von Reitzenstein. Sie war eine der erfolgreichsten Romanschriftstellerinnen ihrer Zeit und durchaus nicht skandalfrei. Die „Schöne Münchnerin“ Helene Miller liegt hier begraben. Eigentlich war sie Dienstbotin, doch ihr von Josef Stieler geschaffenes Porträt
wurde eines der berühmtesten in der Schönheitengalerie von König Ludwig I. Und Adele Spitzeder, die undurchsichtige und umstrittene Finanzfrau hat auf dem Alten Südfriedhof ihr Grab.