Gut beraten für die letzte Reise

Der Tag der offenen Tür im Palais Lerchenfeld informiert über Vorsorge und Bestattung

Zur Enttabuisierung von Tod und Sterben gehört auch, sich schon zu Lebzeiten um die letzten Dinge zu kümmern.  Foto: Landmann

Vieles spricht dafür, schon sehr früh mit engen Angehörigen über die Wünsche und Erwartungen bezüglich der eigenen letzten Reise zu sprechen oder vielleicht sogar einen Vorsorgevertrag abzuschließen. Beim Tag der offenen Tür am Samstag, 29. November, im Palais Lerchenfeld, Damenstiftstraße 8, informieren und beraten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Städtischen Friedhöfe München und der Städtischen Bestattung von 9.30 bis 17 Uhr über ihre Arbeit und neue Formen der Bestattung.
Beim Tag der offenen Tür können sich die Besucherinnen und Besucher bei freiem Eintritt einen individuellen Überblick verschaffen – etwa über Bestattungen unter Bäumen oder die Möglichkeit in einer Urnengemeinschaftsanlage beigesetzt zu werden. Zudem werden ein Vortragsprogramm, Beratungsangebote und Führungen durch das Palais Lerchenfeld angeboten.  „Trauerfall – was nun?“ lautet die Frage, die Peter Kotzbauer und Christian Vogt von der Städtischen Bestattung München um 10.30 Uhr und 13.30 Uhr beantworten. Freya von Stülpnagel ist freie Trauerbegleiterin, um 12 Uhr spricht sie zum Thema „Wo finde ich dich? Spirituelle Trost-impulse für Trauernde“. Spannend wird es um 15 Uhr mit Alfred Riepertiger, Oberpräperator am Institut für Pathologie des Klinikums Schwabing. „Grüfte, Mumien und Skelette“ lautet der Titel seines Vortrags.
Führungen durch einen Teil des Palais Lerchenfeld gibt es um 10, 11.30, 13 und 14.30 Uhr, Treffpunkt ist jeweils im Foyer. Bei den Beratungsangeboten wird die Städtische Bestattung ihre Leistungen von der Bestattung in Stille im engsten Kreis bis hin zur großen Trauerfeier präsentieren. Der Hinterbliebenenrente widmet sich das Versicherungsamt der Landeshauptstadt München an einem Infostand. Die Städtischen Friedhöfe beantworten unter anderem Fragen zur Grabpflege, zu Gebühren, der Einäscherung und auch zu den sogenannten Bestattungen von Amts wegen. Dies sind Bestattungen von Menschen, um die sich niemand kümmern kann, da keine Angehörigen gefunden werden konnten. Weitere Infos unter www.muenchen.de/friedhof.

 

 



Mehr als Gedenken

Volkstrauertag und Totensonntag erinnern an die Opfer von Krieg und Gewalt weltweit

 

Volkstrauertag und Totensonntag sind wichtige Gedenktage. Sie sind zugleich Mahnung gegen Krieg und Gewalt weltweit.

Foto: Landmann

  Die Gedenkttage Buß- und Bettag, Totensonntag und Volkstrauertag bestimmen den Monat November. Sie sind ebenso wie Allerheiligen und Allerseelen Tage, an denen viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen besuchen.
Für die evangelischen Christen ist der Buß- und Bettag von besonderer Bedeutung, auch wenn er seit 1995 kein gesetzlicher Feiertag mehr ist. Er fällt regelmäßig auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag der christlichen Zeitrechnung. Er geht auf alte, vorchristliche Traditionen zurück, nach denen Buße und Einkehr die Götter gnädig stimmen sollten. Auch im Alten Testament hat Buße nicht den Sinn, begangene Untaten zu sühnen, sondern Gott gnädig zu stimmen. Nachzulesen ist das beispielsweise im Buch Jona, den Gott nach Ninive geschickt hatte, um den Untergang der Stadt zu verkünden. Im antiken Rom gab es die feriae piaculares, die Not und Kriegsgefahr abwenden sollten. Im Mittelalter gab es gleich zweierlei Bußtage, der eine wurde bei Bedarf von der Obrigkeit angeordnet, der andere war kirchlichen Ursprungs. Den ersten evangelischen Bußtag begingen die Christen 1532 aus Anlass der Türkenkriege. In der Folge gab es im 16. und 17. Jahrhundert eine regelrechte Inflation der Buß- und Bettage. 1878 zählte der Kalender in den deutschen Ländern 47 Bußtage an 24 Terminen. Die Vertreter der evangelischen Kirche schlugen schließlich 1852 auf der Eisenacher Konferenz die Einführung eines einheitlichen Bußtages vor. Das geschah aber erst 1934. 1939 wurde er auf Anordnung der Nazi-Führer auf einen Sonntag verlegt – und damit de facto abgeschafft. Seit 1981 war er wieder im gesamten Bundesgebiet Feiertag. Heute ist er das nur noch im Freistaat Sachsen. Am Buß- und Bettag geht es den evangelischen Christen nicht darum, in Sack und Asche zu gehen, sondern um Umkehr und Sinneswandel. So ist der Tag auch in vielen Kirchengemeinden Anlass, auf soziale Missstände hinzuweisen.

Ewigkeitssonntag, Christkönigstag, Totensonntag
  Schon die unterschiedlichen Namen für den letzten Sonntag im Kirchenjahr, also den Sonntag vor dem ersten Advent, weisen auf die vielen Anliegen hin, die die Kirchen mit diesem Tag verbinden. Der Totensonntag soll an die äußerste Grenze, das Ende des menschlichen Lebens erinnern und Tag des Gedenkens sein. Der Ewigkeitssonntag soll Trost vermitteln und die Angst vor dem Sterben nehmen. Der Christkönigssonntag schließlich soll in der katholischen Kirche an die Macht und Herrlichkeit Jesu erinnern.
Nicht die Kirchen, sondern König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hat allerdings 1816 per Kabinettsorder den Sonntag vor dem ersten Advent als „allgemeines Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ erklärt. Dafür gibt es mehrere Gründe: das Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege, die Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise und auch das Fehlen eines Totengedenkens im evangelischen Kirchenjahr. Die übrigen evangelischen Landeskirchen übernahmen diese Bestimmung.
Heute werden in vielen evangelischen Gemeinden am  Totensonntag die Namen der Verstorbenen verlesen, ihre Angehörigen werden auf den Friedhof zu einem speziellen Gottesdienst eingeladen.

Gegen Krieg und Gewalt
   Der dritte wichtige Gedenktag im November ist der Volkstrauertag. Er wurde bereits 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. 1926 wurde entschieden, den Volkstrauertag regelmäßig am Sonntag Reminiscere, dem fünften Sonntag vor Ostern zu begehen.
Ziel des Volksbundes war es, eine bei allen Deutschen einheitliche Erinnerung an das Leid des Krieges zu bewirken. Die Nationalsozialisten machten daraus den Heldengedenktag und schlachteten den Tag propagandistisch aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition des Volkstrauertages wieder aufgenommen – und auch als deutliche Abgrenzung zum Nazi-Regime an das Ende des Kirchenjahres verlegt. Heute wird, nicht nur in der zentralen Gedenkstunde im Bundestag, sondern vielerorts in eigenen Feiern der Toten der beiden Weltkriege und der Opfer der Gewaltherrschaft überall auf der Erde gedacht. Sehr zum Missfallen mancher feiersüchtiger Partygänger sind diese Gedenktage nach wie vor sogenannte „stille Feiertage“, die zur Besinnung und zum Innehalten einladen.

 



Auf der sicheren Seite

Wer wegen der Pflege der Eltern einen Erbausgleich verlangen will,
sollte seine Leistungen genau dokumentieren

   Zehn Jahre lang habe ich meine demenzkranke Mutter zu Hause gepflegt, während mein Bruder und meine Schwester nur an Weihnachten und zum Geburtstag zu Besuch kamen. Nun ist die Mutter gestorben – kann ich bei der Verteilung des Erbes einen Ausgleich von meinen Geschwistern erhalten?“ Das Deutsche Forum für Erbrecht (www.erbrechtsforum.de) weiß, dass solche Fragen häufig vorkommen und oft zum Streitpunkt werden. Das kann immer dann geschehen, wenn sich in einer Familie mit mehreren erwachsenen Kindern eines um die alten und (pflege-)bedürftigen Eltern kümmert und sie zu Hause pflegt. Das ist oft mit persönlichen und finanziellen Opfern verbunden. Die Geschwister dagegen nehmen sich aus der Verantwortung und kommen allenfalls sporadisch zu Besuch.

 

Oft kümmert sich nur eines der erwachsenen Kinder um die Pflege der Eltern. Diese können das im Testament mit einer Zuwendung „honorieren“. Das vermeidet Erbstreitigkeiten unter den Geschwistern.

Foto: Fotolia

Gerechtigkeit beim Erben
   Für solche Fälle sieht das Erbrecht einen Ausgleichsanspruch für das pflegende Kind gegenüber den Geschwistern vor. Voraussetzung ist, dass die Kinder als gesetzliche Erben zur Erbfolge nach dem pflegebedürftigen Elternteil gelangen oder dass sie in einer letztwilligen Verfügung auf dasjenige eingesetzt wurden, was sie als gesetzliche Erben erhalten würden, beziehungsweise in dieser Verfügung die Erbteile so bestimmt sind, dass sie im selben Verhältnis wie die gesetzlichen Erbteile zueinander stehen. Das pflegende Kind erhält dann bei der Erbauseinandersetzung einen größeren Anteil vom Nachlass als seine Geschwister. Ferner kann der Anspruch auf Ausgleich wegen Pflegeleistungen den Pflichtteil eines durch letztwillige Verfügung enterbten Abkömmlings beeinflussen.
   Bei Erbfällen bis zum 1.1.2010 war es notwendig, dass das pflegende Kind wegen der Sorge für die Eltern Einkommenseinbußen hingenommen hatte. Mit einer Gesetzesänderung wurde diese Voraussetzung gestrichen, sodass pflegende Kinder mittlerweile im Erbfall noch stärker begünstigt sind. Ferner ist es nicht Voraussetzung für den Anspruch, dass das Kind die Pflege stets allein und persönlich vorgenommen hat. Es kann sich zur Unterstützung auch einer Pflegekraft bedienen, solange es diese selbst bezahlt.
   Die gesetzliche Regelung löst aber nach wie vor nicht einen der größten Streitpunkte in solchen Fällen: Wie kann das pflegende Kind im Nachhinein nachweisen, in welchem Umfang es sich tatsächlich um Mutter oder Vater gekümmert hat und welche Leistungen genau erbracht wurden? Oft bestreiten die Geschwister im Erbfall schlichtweg, dass ein Kind sich in besonderem Maße um den Erblasser gekümmert hat. Es ist deshalb ratsam, solche Pflegeleistungen in einem sogenannten Pflegetagebuch möglichst genau zu dokumentieren und durch die gepflegte Person gegenzeichnen zu lassen. Dieses Vorgehen ist für das ohnehin belastete pflegende Kind zwar bürokratisch und aufwändig – letztlich bringt es aber mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten. Gänzlich vermeiden lässt sich die Problematik natürlich, wenn der Erblasser zu Lebzeiten ein mit fachmännischer Hilfe gestaltetes Testament errichtet und darin die Leistungen mit einer entsprechenden Zuwendung honoriert.


 



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