Digitaler Nachlass - was ist das?

Bestattungsunternehmen kümmern sich als Treuhänder des Abschiedsprozesses auch um die Herausforderungen des Internetzeitalters

Ansprüche im Internet geltend zu machen oder Konten zu löschen, gehört zur digitalen Nachlassregelung. Foto: Fotolia

Stirbt ein Angehöriger, stehen die Hinterbliebenen vor vielen Aufgaben. Bestatter sind in dieser Ausnahmesituation viel mehr als Dienstleister. Sie übernehmen alle notwendigen Schritte, um die Trauernden zu entlasten. Deshalb sehen sie sich inzwischen mit neuen Herausforderungen konfrontiert, beispielsweise dem sogenannten digitalen Nachlass.
  Um dieses Problem konstruktiv im Sinne ihrer Kunden zu lösen, arbeiten zehn deutsche Bestatterverbände, darunter auch der bayerische, inzwischen eng mit Columba zusammen, einem Unternehmen, das sich – vergleichbar einem Nachlassverwalter in der realen Welt – um alle Belange des digitalen Nachlasses kümmert.
  Was diese Kooperation bedeutet, erläutern die Bestatter Toni Hanrieder (www.hanrieder.de) und Karl Albert Denk (www.karlalbertdenk.de) sowie Oliver Eiler, Geschäftsführer von Columba – der digitale Nachlassdienst (www.columba.de)

Warum ist die Regelung des digitalen Nachlasses zu einer Aufgabe der Bestatter geworden?
  Toni Hanrieder: Vielleicht erinnern Sie sich noch an den James Bond Film „Man lebt nur zweimal“. Heutzutage gilt beinahe für jeden von uns, dass wir ein „doppeltes Leben“ führen: eines in der Realität und eines im Netz. Und so wie wir im realen Leben Tag für Tag unsere Spuren hinterlassen, so hinterlässt sie jeder von uns auch als Internetnutzer im Netz. Für den Todesfall bedeutet dies nichts anderes, als dass auf die Angehörigen beziehungsweise Erben die Verantwortung für die „realen“ Hinterlassenschaften des Verstorbenen ebenso übergeht wie die Verantwortung für die digitalen. Und wir als Bestatter sind zumeist der erste Ansprechpartner der Hinterbliebenen.  

Das erklärt noch nicht, warum sich Bestatter um den digitalen Nachlass kümmern.
  Karl Albert Denk: Es ist ja nicht so, dass der Bestatter den Sarg hinstellt, sich um Blumen und Sterbebilder kümmert und das war’s. Zu unseren Dienstleistungen gehört auch die Abmeldung bei den Sozialversicherungsträgern oder beispielsweise bei der SZ.

  Hanrieder: Zum heutigen Selbstverständnis als Bestatter gehört, dass wir uns im digitalen Zeitalter – neben unseren originären Aufgaben – auch als Treuhänder des digitalen Nachlassprozesses sehen. Deshalb klären wir unsere Kunden im Trauerfall frühzeitig darüber auf, dass im Erbfall möglicherweise die Vertragshaftung für Schulden aus Onlineverträgen, Ansprüche auf Guthaben im Netz sowie Verfügungsrechte über die öffentlichen Profile des Verstorbenen (soziale Netzwerke etc.) auf sie übergehen. Durch unserer Exklusivpartnerschaft mit Columba – der digitale Nachlassdienst können wir unseren Kunden ausgewiesene Fachleute für Fragestellungen zum „digitalen Erbe“ empfehlen.

  Denk: Es gab dabei viele Punkte zu beachten, zum Beispiel ist es für uns Bestatter schon schwierig, den richtigen Ansprechpartner in einer Internetfirma herauszufinden. Für mich ist es am wichtigsten, dass die Daten der Verstorbenen bei Columba bleiben.

Herr Eiler, warum brauchen wir Spezialisten, wie Sie einer sind?
  Oliver Eiler: Es gibt inzwischen in Deutschland rund 60 Millionen Internetnutzer. 97 Prozent von ihnen erwerben Waren und Dienstleistungen im Netz. Aber sie speichern ihre Daten nicht so, dass sie im Sterbefall für Angehörige zugänglich wären. Die Daten sind also – bildlich gesprochen – in einem verschlossenen Tresor gelagert. Die Konsequenz: Hinterbliebene könnten mit viel Arbeit und oft auch viel Glück, Verträge, die auf sie übergehen, analysieren und bewerten, um zu wissen, welche sie übernehmen wollen und welche sie kündigen wollen. Sie können sich aber niemals sicher sein, sämtliche Online-Accounts des Verstorbenen – von sozialen Netzwerken, über Mitgliedschaften und Verbindlichkeiten bei diversen Anbietern von Multimedia-Diensten, Spiele-und Wettanbietern, Online-Versandhändlern bis zu Online-Bezahldiensten und Online-Banken – zu finden.

Und wie werden Sie fündig?
  Eiler: Columba versteht sich als informationstechnische Brücke zwischen den Unternehmen und den Angehörigen. Wir sind Dienstleister der Bestattungsunternehmen und pflegen gleichzeitig die Partnerschaft zum E-Business. Wir bieten Unternehmen an, ihre Kundendaten verschlüsselt mit den Daten abzugleichen, die wir treuhänderisch für Bestatter und deren Kunden vorhalten. Gibt es Übereinstimmungen, also Treffer, wird diese Information allen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Dabei werden selbstverständlich sämtliche Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes und des Erbrechts genauestens beachtet.

Kooperieren alle Firmen mit Ihnen?
  Eiler: Wir haben eine sehr hohe Abdeckung, insbesondere bei allen wichtigen Internetunternehmen in Deutschland. Aber selbstverständlich, gibt es auch Firmen, die nicht daran interessiert sind, Kündigungen dieser Art entgegen zu nehmen. Das sind aber die Ausnahmen.



Herbstlicher Gräberschmuck

Alpenveilchen, Heide und Gräser und Topfmyrthe ergänzen Chrysanthemen und Stiefmütterchen

Eine stimmungsvolle Herbstbepflanzung, die der Würde des Friedhofs angemessen ist.     Foto: PdM

  Eine milde Sonne taucht an diesen frühherbstlichen Tagen den Gottesacker in ein sanftes, warmes Licht. Es bringt die in allen Gelb-, Braun-, Grün- und Orangetönen leuchtenden Blätter an Bäumen und Büschen zu einem unfassbaren Strahlen und lässt fast vergessen, dass es bis zu den trüben, dunklen Novembertagen nicht mehr weit. Warum also nicht auch das Grab des geliebten Menschen farbenfroh gestalten? Astern und Chrysanthemen, Heidekraut und Erika, Alpenveilchen und Herbstanemonen, Gräser und Zierkohl passen zur friedlichen Stimmung, die der Herbst auch verbreiten kann.

  Einen schönen Kontrast zur Blütenpracht bilden filigrane Gräser. Sie sind zwar oft klein und unscheinbar, doch ihr Formenreichtum ist umso reizvoller. Ihre Grün-, Rot- und Silberblau-Schattierungen lassen sich gut mit kleinen Gehölzen kombinieren. Neben Chry-santhemen gehören Alpenveilchen zu den beliebten Herbstpflanzen. Sie sind farbenfroh und robust und bezaubern bis in den November hinein mit ihrer Blütenpracht. Alpenveilchen (Cyclamen) gedeihen gut im lichten Schatten, auch als Unterpflanzung. Knollen sollte man maximal vier Zentimeter mit Erde bedecken. Am liebsten mag das Alpenveilchen lockeren, humosen Boden und muss im Winter mit Laub abgedeckt werden. Dann erfreut die liebliche Kleinstaude mit ihrem bunten Flor, den herzförmigen Blättern und einem charmanten Duft das Auge jedes Friedhofsbesuchers. Die Alpenveilchen in Rosa- und Rottönen lassen sich übrigens gut mit Strukturpflanzen wie Silberblatt oder Günsel kombinieren. Auch Stiefmütterchen oder kleine Hornveilchen werden für ein herbstliches Grab gerne gewählt, gut eignen sich auch Tag- und Nachtschatten-Gewächse. Chrysanthemen sind schon fast eine Standardpflanze zu dieser Jahreszeit, allerdings haben sie den Nachteil, dass sie gerne von Schnecken heimgesucht werden. Wichtig für ein eine üppige Herbstpracht ist die richtige Grababdeckung, die empfindliche Pflanzen gerade bei einer sonnigen Grablage vor dem Frost schützt.

  Sehr geschmackvoll wirken, neben Alpenveilchen und Chrysanthemen, auch Hebe und Pernettya. Die Pernettya (Topfmyrthe) ist eine Blattpflanze mit stacheligen Blättern und roten Beeren. Da sie klein und flachwüchsig treibt, verleiht sie einem herbstlichen Beet schöne Farbtupfer. Auch die Scheinbeere kann mit attraktivem „Perlenschmuck“ aufwarten. Gerne verwenden die Friedhofsgärtner auch Fruchtpflanzen, beispielsweise die Skimmia, die mit ihren roten und grünen Beeren ebenso typisch herbstlich anmutet wie die elegante Gaultheria.



Verbindlicher letzter Wunsch

Der Wille des Verstorbenen entscheidet  über die Art der Bestattung

Jeder kann zu Lebzeiten vorsorgen und seine Bestattungswünsche verbindlich festlegen. Bei der Frage, wo und wie jemand bestattet wird, ist dieser Wille entscheidend, allerdings mit einer Einschränkung, wie die Verbraucherinitiative Aeternitas e.V. schreibt: „Nur wenn ein Totensorgeberechtigter vorhanden und willens ist, die Wünsche durchzusetzen, werden diese auch sicher befolgt.“ Zu berücksichtigen seien dabei nur rechtlich zulässige Wünsche.


Ein Ehrenamt mit Verantwortung:
die Totensorgeberechtigung

Wenn Verstorbene selbst keinen Totensorgeberechtigten benannt haben – das können, neben Verwandten Freunde oder auch Bestatter sein – gilt die gewohnheitsrechtliche Reihenfolge: An erster Stelle die Ehegatten (beziehungsweise eingetragene Lebenspartner), dann Kinder und deren Ehegatten, Eltern, Großeltern/Enkel/Geschwister, Urgroßeltern/Urenkel/Neffen/Nichten, Ur- Urenkel/Ur-Urgroßeltern und Verlobte. Falls die vorrangig Berechtigten sich nicht darum kümmern, kann jeder andere Totensorgeberechtigte den Willen des Verstorbenen notfalls gerichtlich durchsetzen.


Bestattungswünsche festlegen

Problematisch wird es, wenn sich alle Totensorgeberechtigten einig sind, den Willen des Verstorbenen nicht zu befolgen. Dann, so Aeternitas, müsse man die Situation gemäß dem Sprichwort „Wo kein Kläger, da kein Richter“ beurteilen. Wer den später Totensorgeberechtigten nicht vertraut, sollte deshalb selbst zu Lebzeiten eine verantwortliche Person bestimmen. Um Konflikte zu vermeiden, hilft es, die Bestattungswünsche schriftlich festzulegen oder gegenüber vertrauenswürdigen, später totensorgeberechtigten Personen zu definieren und schriftliche Bestattungsverfügungen regelmäßig zu aktualisieren.



Mein Kind ist gestorben

Den meisten Mitmenschen ist es nicht möglich, trauernden Eltern wirklich zu helfen. Aus diesem Grund haben sich seit einigen Jahren Selbsthilfegruppen gebildet, um im gemeinsamen Gespräch ihre Trauer zu teilen.

Verwaiste Eltern, trauernde Geschwister und Großeltern finden hier Hilfe und Unterstützung.
Telefon: 0 89/ 48 08 89 90  www.verwaiste-eltern-muenchen.de


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