Ohne Licht gibt es kein Leben

Die Osternacht ist voller Symbolik – diese hat ihre Wurzeln auch im Alten Testament

Grablichte sind Zeichen lebendigen Gedenkens. Sie verbinden im Christentum das Erinnern mit der Hoffnung auf das ewige Leben. In allen Religionen und zu allen Zeiten sind Flammen, mystisch-mythische Zeichen. Osterräder und Osterfeuer halten diese Verbindung aufrecht.

Foto: Landmann

Es ist einer der ergreifendsten liturgischen Momente im Kirchenjahr, wenn in der Osternacht der Pfarrer mit der gerade entzündeten Osterkerze in die dunkle Kirche einzieht und das „Lumen Christi“ anstimmt. Dann ist nach der langen Zeit der Dunkelheit das Licht zurückgekehrt – materiell und für gläubige Christen mit der Auferstehung Jesu auch spirituell. „Die Dualität von Dunkel und Licht steht für Schuld und Erlösung; deshalb kann diese Nacht als „vera beata nox“, wirklich selige Nacht, und die Schuld Adams als „felix culpa“, glückliche (= heilbringende) Schuld, bezeichnet werden.“ Das schreibt der Kölner Theologieprofessor Manfred Becker-Huberti.

Für ihn und für viele Christen ist die Lichtsymbolik nicht nur in der Osternacht, sondern auch in der Heiligen Nacht vor Weihnachten bestimmend. Denn beide Nächte, die durchwacht und durchbetet werden sollen und in manchen Gemeinden immer noch durchwacht werden, heißen „nox sacratissima“, heiligste Nacht. Denn beide Male symbolisiert die aufgehende Sonne Christus, der im Johannesevangelium als „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,“ bezeichnet wird. Ostern hat nach christlicher Deutung sogar seinen Namen aus dieser Lichtsymbolik bekommen, weil – so Becker-Huberti – das griechische „aurora“, Morgenröte, über „eostere“ das heutige Wort „Ostern“ ausgebildet hat. Das Alte und das Neue Testament sind sowieso voller Gleichnisse, in denen das Licht die Herrlichkeit Gottes symbolisiert: Jesus sagt im Johannesevangelium beispielsweise: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Oder: „Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt“ (Joh 12,46). Becker-Huberti nennt noch andere wichtige Lichtrituale: So wurden in alttestamentlichen Zeiten am siebten Tag des Laubhüttenfestes im Frauenvorhof des Tempels vier große Leuchter aufgestellt, die ihr Licht über ganz Jerusalem verbreiten sollten. Die Menora, der siebenarmige Leuchter, hat ihren Platz in jedem jüdischen Haushalt und findet sich heute noch im Staatswappen des Staates Israel.

Die Kerze ist Symbol der Reinheit und steht in jüdischer Tradition für Körper und Seele. Die Flamme ist die Seele, weil sie immer nach oben strebt. Kerze und Flamme versinnbildlichen den Menschen in seiner Ganzheit. In der katholischen Kirche findet diese Symbolik ihre Entsprechung im Ewigen Licht – oder auch in den Lichtern auf den Gräbern der Verstorbenen. Ohne Licht gibt es kein Leben, und kein Leben existiert ohne Licht. 

 

 



Veranstaltungstipp:

Lebens-Weg-Begleiter Märchen

In eine wundersame Welt entführt Märchenerzählerin Birgitta Glock-Hiener. Märchen spiegeln in ihrer Zeitlosigkeit die Erfahrungen des Lebens. Sie erzählen in Sinnbildern von allen Höhen und Tiefen. Dadurch kann man sich erst einmal verstanden und bestätigt fühlen. Das Besondere ist, dass sich im Märchen die Mühen der Lebensreise lohnen und es zu einem guten Ende kommt – nicht zuletzt, weil immer Helfer und helfende Kräfte auftauchen, die begleiten und zum Weitergehen ermutigen. Die häufig verblüffenden Wendungen im Märchen regen an, in sich selbst neue Räume für Fantasien, erweiterte Sichtweisen, Impulse und Handlungsschritte zu finden, was gerade auch in Zeiten der Trauer hilfreich sein kann.

Der Märchenabend findet statt am Dienstag, 31. März, von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr bei

AETAS Lebens-und Trauerkultur
Baldurstraße 39, 80638 München
Kosten: 10 Euro, zuzüglich Materialkosten.
Anmeldung: 089/59276-0
info@aetas.de
www.aetas.de

 



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