Vom Gottesacker zum Krematorium

An Allerheiligen gedenken wir unserer Verstorbenen auf ganz persönliche Weise

Der Umgang mit Sterben und tod hat sich in den vergangenen Jahrhunderten gewandelt. Was aber bleibt, sind Trauer, Sprachlosigkeit und die Sehnsucht nach Trost beim Berlust eines geliebten Menschen.                                   Foto: Landmann

Sterben in Würde, der Tod als das Ende aller (weltlichen) Dinge und Totengedenken sind Stichworte, die immer wieder aufflattern, aber in unserem Alltag weitgehend ausgeblendet werden. Wir wollen den letzten Dingen möglichst sachlich gegenüberstehen, so lange wir nicht selbst vom Tod eines Angehörigen oder eines nahe stehenden Menschen betroffen sind. Genau dann werden uns Gedenktage wie Allerheiligen und Allerseelen wichtig. Wir schmücken die Gräber, wir erinnern uns kirchlicher Rituale, an denen wir aus Respekt vor den Toten teilnehmen – und wir erfahren Trost auf dem Friedhof, der so viele Jahrhunderte ein Gottesacker war, jetzt aber eher einem Park gleicht, wenn er nicht durch geradlinig ausgerichtete Gräberreihen eher an einen Kasernenhof gemahnt. Dann stellen wir uns die Frage, wie war das eigentlich früher, als es noch prunkvolle Mausoleen gab, in denen ganze Generationen zur letzten Ruhe gebettet wurden und die Armen in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt wurden.
Bereits im späten 18. Jahrhundert wandelte sich das Verständnis von Tod und Sterben, wie Norbert Fischer in seiner Sozialgeschichte der Friedhöfe schreibt. Im Umgang mit den Toten begann sich eine bürgerlich-aufgeklärte Form von Rationalität durchzusetzen, die mit Stichwörtern wie Effizienz, Pragmatismus, Technisierung beschrieben werden kann. Dieser vernunftbestimmte Umgang mit Sterben und Tod stand im krassen Gegensatz zu vielen, Jahrhunderte alten Traditionen und zeigte sich besonders deutlich auf dem Friedhof. Glichen die alten Begräbnisplätze in der Regel noch Feldern, die durch das Wort „Gottesacker“ quasi geadelt wurden, so bestimmte eine geometrische Ordnung die neu vor den Stadttoren angelegten Friedhöfe. Mit ihren teils monumentalen Grabmälern und Mausoleen wurden sie zu repräsentativen Stätten des Bürgtums und in der Zeit des Kaiserreiches unter Einbeziehung der Natur zu Gesamtkunstwerken.  

Bestattung im Wandel
Nach 1920 gab es wiederum eine radikale Kehrtwende in der Sepuralkultur. Die Grabmäler wurden typisiert und standardisiert. Damit waren die Friedhöfe Teil der möglichst effizienten Organisation kommunaler Aufgaben geworden. In dieses Bild passte die Feuerbestattung ideal. Eine Teil des Bürgertums – säkularisiert, fortschrittsgläubig, gesellschaftlich engagiert – setzte sich für den Bau von Krematorien ein, 1878 entstand das erste in Deutschland. Und ist allen architektonischen Hüllen zum Trotz ein mit Tabus belegter Ort geblieben.
Zu den großen Verlierern des Wandels der Bestattungskultur gehören die Kirchen. Bedeutete die Verlegung der Begräbnisplätze vor die Stadttore schon an sich einen Verlust an Präsenz im politischen Zentrum, so war sie häufig auch noch verbunden mit der Einschränkung kirchlicher Verfügungsgewalt. Diese Entwicklung mündete im 19. Jahrhundert in der Kommunalisierung vieler städtischer Friedhöfe, bevor die Kirchen durch die Einführung der Feuerbestattung, die von ihnen als „heidnisch-materialistisch“ verdammt wurde, einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen mussten.
So hat sich der Umgang mit den Toten mittlerweile zu einer Angelegenheit für Mediziner, Techniker und Friedhofsverwalter entwickelt. Nur noch wenige Relikte sind erhalten geblieben von jener emotionsgetönten Trauerkultur, die das Bürgertum im 19. Jahrhundert so vollendet zelebrierte. Der Tod scheint aller Zeremonien entkleidet worden zu sein. Aus einem einst rätselhaften, vielgedeuteten Mythos ist ein praktisches, delegierbares Problem geworden, zu dessen Bewältigung ein breitgefächertes Dienstleistungsangebot bereitsteht.
Doch jenseits aller Versachlichung bleiben Trauer, Sprachlosigkeit und Verlust, die Sehnsucht nach Trost und nach spiritueller Begleitung, bleibt die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende aller Dinge sein möge.

 



Privatschriftliche Testamente

Bei der Abfassung des letzten Willens sollten gesetzliche Vorgaben beachtet werden

Das privatschriftliche Testament ist die günstigste Möglichkeit, wirksam einen letzten Willen zu formulieren und damit für den Erbfall vorzusorgen. Es ist aber auch mit erheblichen Risiken verbunden, sagt Rechtsanwältin Katharina Mirz. Grundsätzlich muss das privatschriftliche Testament eigenhändig verfasst und unterschrieben werden, § 2247 BGB. Das Testament sollte nur aus einem laufenden Text und nicht aus Pfeildiagrammen und Bildern bestehen. Für eine einheitliche Willenserklärung ist es erforderlich, dass mehrere lose Blätter ein „Gesamtwerk“ darstellen. Dies wird angenommen, wenn auf dem letzten Blatt eine abschließende Unterschrift steht und die losen Blätter etwa durch fortlaufende Seitenangaben als zusammengehörig bestimmt werden können. Mehrere lose Blätter, die ohne inneren Zusammenhang sind,  stellen keine einheitliche Willenserklärung dar. Auch werden in Testamenten häufig Erben oder Erbteile nicht genau festgelegt und nicht richtig bezeichnet. Oft werden falsche Begriffe für das „Vererben“ bzw. „Vermachen“ verwendet und damit nicht richtig zwischen einer Erbeinsetzung und Vermächtnisanordnung unterschieden. Es fehlt oft die Bestimmung von Ersatzerben. Um diese Fehler zu vermeiden, macht es Sinn, sich vor der Erstellung eines Testamentes anwaltlich beraten zu lassen. Auch sollte nicht nur an die Vorsorge für den Erbfall, sondern auch an die Vorsorge für Alter, Krankheit und Unfall in Form von Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen gedacht werden. Zu den vorgenannten Themen finden am 8. November 2014 Vorträge im Rahmen des Vor-Sorgen-Tages bei AETAS Lebens- und Trauerkultur statt.
Seidl Hohenbleicher Mirz, Kobellstraße 1, 80336 München, Telefon 089/1894164–0, www.kanzlei-shm.de



Ein würdiger Ort für den letzten Abschied

Das Bestattungsunternehmen Imhoff in Grafing hat seine neue Trauerhalle eingeweiht

                                                          Foto:  privat

  Wo können sich Hinterbliebene von ihren Toten in aller Ruhe und in würdiger Umgebung verabschieden? Krankenhäuser und Pflegeheime haben für diese persönlichsten Momente oft keinen geeigneten Raum. Das war auch dem Bestattungsunternehmen Imhoff in Grafing nur zu bewusst. Deshalb gibt dort nun eine neue Trauerhalle.
Hier können Freunde und Angehörige sich Zeit nehmen, in Würde, in persönlicher, humaner Umgebung von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen. Im Verabschiedungsraum können sie am offenen Sarg in aller Stille dem Toten die letzte Ehre erweisen. Diese Zeit ist wichtig, um Schmerz und Trauer irgendwann bewältigen zu können. Jedoch fehlte bislang im Landkreis München dazu der geeignete Raum. Die Trauerhalle ist deshalb ein wichtiges Angebot des Bestattungsunternehmens, das von Angela Imhoff und ihrer Tochter geführt wird. In der Trauerhalle, in der geistliche Verabschiedungsfeiern abgehalten werden, steht der Abschied im Vordergrund, losgelöst von kirchlichen Konventionen.
Der Prozess des Abschieds und Trauerns wird von den Bestattern begleitet, deren Arbeit für die Angehörigen eine große und großartige Unterstützung darstellt. Den Trauernden Raum geben, ihnen zuhören, Zeit für die Ausdehnung des Kummers lassen – das zählt ebenso zu den Aufgaben der Bestatter, wie organisatorischen Dinge im Zusammenhang mit einer Beerdigung. Für die meisten Trauernden ist es von großer Bedeutung, es ist geradezu ein Bedürfnis, sich vor dem letzten Geleit noch in würdevoller Weise, in angemessener Umgebung, von Angesicht zu Angesicht vom Toten verabschieden zu können. Imhoff hat nun hierfür den geeigneten Raum.
 



Veranstaltungen:

Ein Vor-Sorgen-Tag bei AETAS

Warum beschäftigen wir uns Monate im Voraus mit der Planung von Hochzeiten, Partys oder Reisen – nicht aber mit dem Ereignis, das uns mit Sicherheit ereilen wird – der eigene Tod. Ein Thema, das in der Gesellschaft ein Tabuthema ist, das auch im Alter noch gerne verdrängt wird. Aber das, je älter man wird, immer näher rückt. Deshalb gibt es gute Gründe, sich damit zu beschäftigen, solange man noch bei Kräften ist. Diese bewusste Auseinandersetzung mit dem Tod kann ihm sogar seinen Schrecken nehmen.
Welche Möglichkeiten es gibt, wie individuell und persönlich das letzte Fest gestaltet werden kann, darüber  kann man sich am Vor-Sorgen-Tag   bei AETAS Lebens- und Trauerkultur, Baldurstraße 39 in München am Samstag, 8. November 2014, informieren. Darüber hinaus referieren namhafte Fachleute umfassend zu allen weiteren dazugehörigen Themen wie Vorsorgevollmacht, Betreuungsvollmacht und Patientenverfügung, richtig Erben und Vererben, Grabmalgestaltung und Dauergrabpflege.
Der Eintritt ist frei, der Zugang barrierefrei; detailliertes Tagesprogramm unter info@aetas.de, www.aetas.de

15. Münchner Erbrechtstage

Vererben mit Sinn und Verstand: Ein kluges Testament verschafft die Möglichkeit, die Vermögensnachfolge nach dem eigenen Willen zu gestalten und umzusetzen. Doch viele Menschen scheuen den Gedanken, ein Testament aufzusetzen. So trifft laut einer Umfrage des Deutschen Forums für Erbrecht nur jeder vierte Deutsche eine letztwillige Verfügung. „Von diesen Verfügungen sind über 90 Prozent unvernünftig, unklar, widersprüchlich oder gar unwirksam“, weiß Dr. Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht und Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. Das Deutsche Forum für Erbrecht informiert am Donnerstag, 23. Oktober 2014, ab 18 Uhr bei den Münchner Erbrechtstagen im Künstlerhaus, Lenbachplatz 8 in München kostenlos und laienverständlich über die wichtigsten Regeln beim Vererben. Die Erbrechtsexperten geben wertvolle Hinweise für die kluge Testamentsgestaltung und eine sinnvolle Vermögensnachfolge. Nach den Vorträgen können die Besucher den Referenten Fragen stellen, die von allgemeinem Interesse sind.
Weitere Informationen: www.deutsches-forum-fuer-erbrecht.de

 



Download der aktuellen Sonderveröffentlichung als PDF

Hier können Sie sich die aktuelle Version der Sonderveröffentlichung als PDF herunterladen.