„Komm, Heiliger Geist“

Pfingsten erinnert an die „Geburtsstunde“ der christlichen Kirche

Menschenfischer wurden die Apostel an Pfingsten, so wie Jesus es ihnen gesagt hatte.

„Veni creator spiritus“ – komm Heiliger Geist – so beginnt der berühmteste gregorianische Choral zu Pfingsten. Nach Ostern und Weihnachten ist das Pfingstfest das dritte große Kirchenfest. Und es ist ein ganz besonderes, weil es weniger fassbar ist als Weihnachten, das Fest der Geburt Christi, oder Ostern, das an Tod und Auferstehung Jesu erinnert.
Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte ist nachzulesen, was jenseits aller theologischer Diskussionen der Ursprung von Pfingsten ist. Lukas erzählt von den versammelten Jüngern, von „Zungen wie von Feuer“, die auf sie he-rabkamen und vom Pfingstwunder: Ihre Predigt konnten alle verstehen, auch die Fremden, die sich gerade wegen „hag schabuot“, dem Fest der Erstlingsfrüchte von der Weizenernte, in Jerusalem aufhielten. Dieses Fest, von dem das Alte Testament berichtet, wird oft als Ursprung des Pfingstfestes genannt. Daher rührt auch der Name Pfingsten. Hag schabuot wurde am 50. Tag nach Ostern gefeiert, und dieser Tag heißt auf Griechisch „pentekoste hemera“. Aus dem ersten Wort ist das deutsche „Pfingsten“ entstanden. Was Lukas in der
Apostelgeschichte erzählt, gilt als Geburtsstunde der christlichen Kirche. Die Kirche wird quasi „katholisch“ – und zwar zunächst ohne jeden missionarischen Eifer. Denn was in Jerusalem begonnen hatte, ging um die ganze Welt (auf Griechisch: kata holon).
Mit dem Pfingstfest endet die österliche Zeit. Von den alten Pfingstbräuchen haben sich allerdings nur wenige erhalten, beispielsweise Flurumritte und Wettersegen. Im sechsten Jahrhundert wurde eine Taube zum Symbol des Heiligen Geistes und damit auch für Pfingsten. Im Mittelalter wurde der Heilige Geist auch in menschlicher Gestalt dargestellt, Papst Urban VIII. untersagte im 17. Jahrhundert solche Bräuche. In Vergessenheit geraten ist das mittelalterliche „Heiliger-Geist-Schwingen“. Dabei wurde eine hölzerne Taube durch eine Öffnung der Kirchendecke herabgelassen und in Schwingung versetzt. Verbreitet war auch das Freilassen lebendiger Tauben, die während des Pfingstgottesdienstes den Kirchenraum durchflogen.
Die Woche nach der Pfingstwoche beginnt mit dem Festtag Trinitatis, dem Dreifaltigkeitssonntag. Zehn Tage nach Pfingsten zeigen die katholischen Christen noch einmal buchstäblich Flagge: Fronleichnam und seine Prozessionen erinnern an das letzte Abendmahl, das ja in Wirklichkeit das erste war – und dessen spirituelle Bedeutung in der Trauer der Karwoche nicht wirklich gewürdigt werden kann.  

 

 
 


„Die Freude aller Welt“

Maria ist die Schutzheilige Bayerns, der Maimonat ist ihr geweiht

 

Auf die Hilfe der Gottesmutter Maria vertrauen Christen in allen Lebenslagen.

  Der Mai ist ein ganz besonderer Monat. Alles grünt, blüht und gedeiht. Damit aus den zarten Pflanzen auf den Feldern, prächtige Früchte werden, damit Mensch und Vieh auch in der kalten Jahreszeit satt werden, fanden und finden im Mai in vielen Regionen die sogenannten Feld- oder Bittprozessionen statt. Sie gehen wie so viele kirchliche Bräuche auf vorchristliche Frühlingstraditionen zurück. So entwickelten sich Maigebet und Flurprozessionen aus den Bitten um eine gute Ernte. Ausgehend von Italien, Frankreich, der Schweiz und Österreich verbreitete sich zudem die marianisch geprägte Maiandacht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Sie wurden verbunden mit „Maipredigten“, die den Stellenwert dieser Andachten unterstrichen. Maiandachten und Maipredigten förderten darüber hinaus die Volksfrömmigkeit, weil sie die Menschen emotional besonders berührten. Blumen und Blüten symbolisierten die Gnadenfülle der Gottesmutter. Auch die Ordensgemeinschaften, wie etwa die Jesuiten, unterstützten solche, einen Monat währende, Aktionen, die Glauben und Frömmigkeit steigern sollten.
  Maiandachten sind von einer ganz eigenen Spiritualität. Eines der schönsten Kirchenlieder, „Sagt an, wer ist dort diese“, preist Maria als „die schönste aller Frauen, die Freude aller Welt“. Besonders Frauen fühlen sich Maria verbunden, weil sie als Mutter Jesu höchste Freuden und tiefstes Leid erfahren hat – so wie viele Mütter in aller Welt auch. So sind es auch die Frauen, die in der Stadt und auf dem Land Kirchen und Kapellen für die Maiandacht besonders schön schmücken. Und die ihr Festgewand für die Maiandacht anlegen.
  In Bayern aber hat die Marienverehrung noch einen anderen Grund: Maria ist die Schutzheilige des Freistaats – und das bereits seit Jahrhunderten. Wie es dazu kam, ist auf den Seiten des Erzbistums München und Freising nachzulesen (www. erzbistum-muenchen.de)
  Demnach stand auf dem Freisinger Burgberg bereits um das Jahr 724 eine Marienkirche. Sie wurde Wirkungs- und Begräbnisstätte des Heiligen Korbinian, des Bistumspatrons. Die Kirche ist die Keimzelle des heutigen Freisinger Doms und die am frühesten bezeugte Marienkirche in Bayern. Allein im Erzbistum München und Freising gibt es rund 400 Gotteshäuser und Kapellen, die Maria geweiht sind, ebenso wie viele Wallfahrtsorte,
darunter auch das weltberühmte Altötting oder Ettal. An dieser tief im Volksglauben verwurzelten Marienverehrung hatten die Wittelsbacher großen Anteil. Kaiser Ludwig der Bayer (1314-1347) etwa war nicht nur Stifter von Ettal, er rief auch in seiner Sterbestunde Maria um ihren Beistand an. Kurfürst Maximilian l. (1597-1651) ließ 1616 – im Vorfeld des Dreißigjährigen Kriegs – in einer Nische der Westfassade der Residenz eine überlebensgroße Bronzestatue der Gottesmutter aufstellen.  Und deklarierte sie in einer Inschrift zur „Patrona Boiariae“, zur Schutzherrin seines Herzogtums. Schließlich ließ Maximilian 1637/38 auf dem heutigen Münchner Marienplatz die Mariensäule errichten – als Zeichen der Dankbarkeit, dass seine Hauptstädte München und Landshut nicht von den Schweden geplündert worden waren. Die Säule wurde zum symbolischen Mittelpunkt des Landes. Von ihr aus wurde sogar die Entfernung der Orte voneinander gemessen.
  Am 1. Mai wird traditionsgemäß der Festtag der Patrona Bavariae gefeiert. Wie an der Münchener Residenz stehen an vielen Häusern Marienstatuen, um das Haus und seine Bewohner unter ihren Schutz zu stellen. An der Mariensäule wird jeden Samstag ein Rosenkranzgebet sowie im Mai die große Maiandacht und im Oktober das Rosenkranzgebet der Münchener Stadtkirche gehalten. Maria als Schutzfrau Bayerns wird stets auf der Mondsichel stehend dargestellt; manchmal auch mit dem Kranz aus zwölf Sternen um ihr Haupt. Sie ist immer gekrönt, hält ein Szepter und auf ihrem Arm das segnende Jesuskind.

 



Mythenumranke Blume

Auch Hildegard von Bingen wusste um die Heilkraft der Pfingstrose

 

„Rose ohne Dornen“ wird die Pfingstrose auch genannt.           Fotos: PdM (1), Landmann (2)

  Glutrot oder in zartem Weiß beherrscht eine Blume derzeit die Gärten und verleiht dem Grab eines geliebten Menschen eine besondere Ausstrahlung: die Pfingstrose. Um sie ranken sich viele Geschichten. Das fängt schon mit ihrem botanischen Namen „Paeonia“ an. Es leitet sich vom Namen des Arztes Paian ab. Der spielte in der griechischen Mythologie eine wichtige Rolle. Denn er heilte mit Hilfe der Pfingstrose den Gott der Unterwelt Pluton. Dieser war von Herakles in einem der zahllosen Götterkriege verwundet worden. Auch der römische Dichter Vergil erzählt in der der Äneis, dass die Göttin Artemis den Virbios, der von den Pferden seines Vaters Theseus getötet worden war, mit Hilfe einer Pfingstrose wieder zum Leben erweckte. Die Heilkraft dieser Pflanze pries die heilige Hildegard von Bingen: „Sie hilft sowohl gegen die dreitägigen wie die viertägigen Fieber ...“ schrieb sie in ihrer Physica. In der Volksmedizin kannte man noch eine andere Verwendung der Pfingstrose. Ihre Samen wurden auf Ketten aufgereiht und zahnenden Kleinkindern zum Kauen gegeben. In Bayern nannte man die Samen deshalb auch Apolloniakörner – zu Ehren der heiligen Apollonia, der Patronin der Zahnleidenden.
   Kein Wunder also, dass diese Blume schon im Mittelalter voller Symbolkraft war. Sie gilt als Marienblume, wird auch immer wieder in Zusammenhang mit der Gottesmutter dargestellt. Denn die Pfingstrose gilt als „Rose ohne Dornen“, als Zeichen für das Heil.
   Doch nicht nur in unserem Kulturkreis hat die Päonie eine große Bedeutung. So galt sie in China einst als Blume der chinesischen Kaiserin, doch fiel sie Jahrhunderte später in Ungnade. Als Blume der Aristokratie wurden sogar Strauch-Pfingstrosen in manchen Regionen Chinas Opfer von Maos Kulturrevolution. Inzwischen werden dort aber wieder viele dieser edlen Gehölze gepflanzt, gilt die Pfingstrose doch vielen Menschen als Nationalblume Chinas. Wegen ihrer großen, prachtvollen Blüten stehen diese Pflanzen dort als Sinnbild für Wohlstand und Glück.  

 



Veranstaltungstipp:

Bestattungsvorsorge

Sich rechtzeitig um die eigenen „letzten Dinge“ kümmern. Über die Möglichkeiten, die einzelnen Schritte, sowie die Rechte und Pflichten bei einer Bestattung informiert am heutigen Mittwoch, 20. Mai, um 17.00 Uhr AETAS Lebens- und Trauerkultur. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Richtig erben und vererben

Die Fachanwältin Andrea Ducka gibt Informationen zum Erben und Vererben: Welche Möglichkeiten letztwilliger Verfügung gibt es, und wie kann ich diese errichten? Was bedeutet gesetzliche Erbfolge? Antworten auf diese und andere Fragen gibt es am Mittwoch, 10. Juni, um 17.30 Uhr bei AETAS Lebens- und Trauerkultur, Baldurstr. 39.
Kostenbeitrag 10 Euro,
Anmeldung unter Telefon 089/15 92 76 0 (für beide Veranstaltungen)
www.aetas.de

 



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