Deutsche tolerieren Wandel im Bestattungswesen

Foto: Aeternitas.e.V.

Umfrage bestätigt neue Trends zu Öko- und Urnenbestattung – Einäscherung wird immer beliebter

Trotz der immer wieder aufflackernden Diskussion um den bestehenden Friedhofszwang ist es in Deutschland weiterhin verboten, eine Urne zuhause aufzubewahren. Diese Vorschrift entspricht jedoch nicht dem Pietätsempfinden des Großteils der Bevölkerung. 83 Prozent der Bundesbürger hätten kein ungutes Gefühl, wenn der Nachbar eine Urne im Garten oder Wohnzimmer aufbewahren würde. Das ergab eine repräsentative Umfrage, beauftragt von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Die Toleranz gegenüber einer Urne beim Nachbarn hat damit deutlich zugenommen. In einer Studie aus dem Jahr 2001 bekundeten 57 Prozent der Befragten, dass sie kein ungutes Gefühl hätten. Dennoch untersagen deutsche Gerichte Urnenbeisetzungen auf privaten Grundstücken immer wieder auch mit dem Hinweis darauf, dass das sittliche Empfinden weiter Teile der Bevölkerung dem entgegenstehe. „Die Justiz bedient sich hier überholter Wertmaßstäbe, die einer kritischen Überprüfung nicht standhalten“, kritisiert der Rechtsanwalt Torsten Schmitt, Rechtsreferent von Aeternitas. Auch die Politik hat bisher nur in Bremen reagiert. Hier ist zumindest die Beisetzung von Totenasche verstorbener Bremer Bürger auf Privatgrundstücken möglich. Ohnehin erfreuen sich Feuerbestattungen zunehmender Beliebtheit: Wünschten sich im Jahr 2004 noch 39 Prozent für die eigene Bestattung ein klassisches Sarggrab auf dem Friedhof, bevorzugen dies 2016 nur 24 Prozent der Bundesbürger.

Für das übliche Urnengrab auf dem Friedhof würden sich derzeit 19 Prozent entscheiden. An Beliebtheit gewonnen haben dagegen Grabangebote, in denen die Pflege bereits enthalten ist – 47 Prozent favorisieren diese im Vergleich zu 39 Prozent im Jahr 2013. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Beisetzungen in Bestattungswäldern, Seebestattungen oder Ascheverstreuungen in der Natur, aber auch Gemeinschaftsgräber, Urnenwände, anonyme Gräber oder Baumbestattungen auf Friedhöfen. Voraussetzung ist hier üblicherweise eine Einäscherung. Die gemeinsame Beisetzung von Mensch und Tier wird seit letztem Jahr auf einzelnen Friedhöfen in Deutschland angeboten. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten befürwortet gemeinsame Gräber für Tiere und Menschen. Die andere Hälfte (48 Prozent) hält nichts davon. Jüngere Menschen gehören mit 69 Prozent mehrheitlich zu den Befürwortern, bei Älteren ab 60 Jahren ist mit 72 Prozent die Ablehnung dagegen stark ausgeprägt. Die in vielen Lebensbereichen diskutierten Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit hält laut Umfrage eine knappe Mehrheit von 54 Prozent auch bei Bestattungen für wichtig (18 Prozent für sehr wichtig, 38 Prozent für eher wichtig). Vier von zehn Befragten sehen dies dagegen als eher oder sehr unwichtig an. Damit scheint die Bestattungsbranche richtig zu liegen, die seit einigen Jahren zunehmend mehr Angebote für ökologisch einwandfreie Bestattungen macht. Auch zeigt sich, dass die Diskussion um nachhaltige Produktion in der Bestattungsbranche weiter geführt werden sollte. Für die Studie befragte das Institut TNS-Emnid im Auftrag von Aeternitas Ende März 2016 im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe 1005 Bundesbürger.



Facebook-Profile sind vererblich

Eltern erstreiten Recht auf Chronik der verstorbenen Tochter

Vergangenen Dezember fällte das Landgericht Berlin eine beispielshafte Entscheidung zum digitalen Nachlass: Es hatte zu klären, ob die Eltern einer verstorbenen 15-Jährigen Facebook dazu zwingen können, Zugriff auf deren Account zu erhalten. Traurigerweise ging es hierbei darum, dass nicht klar war, ob es sich um einen Suizid handelte und die Eltern gerne durch Einsichtnahme in die Postings und Kontakte der Tochter klären wollten, ob dort Hinweise auf solche Absichten zu finden wären. Durch Informationen einer Person, die Facebook nicht nennen wollte, war das Profil der Tochter in den Gedenkzustand versetzt worden. Dadurch war es der Mutter – trotz Kenntnis der Zugangsdaten der Tochter, die ihr diese wohl freiwillig gegeben hatte – nicht mehr möglich, auf das Profil und die dort gespeicherten Informationen zuzugreifen. Trotz mehrfacher Anfragen und Bitten und trotz Einschaltens der Aufsichtsbehörde für den Datenschutz ließ es Facebook auf eine Klage der Eltern ankommen. Das Landgericht Berlin hatte also zu entscheiden.

Zugang zum Account

Und es entschied zugunsten der Hinterbliebenen: Die Rechte aus einem Vertrag mit Facebook zur Nutzung von Facebook-Diensten ist in vollem Umfang im Wege der so genannten Gesamtrechtsnachfolge nach § 1922 BGB (der oder die Erben treten in alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein) vererblich. Es gilt auch gegenüber Facebook deutsches Recht und es ist auch das deutsche Gericht zuständig. Aus dem übergegangenen Vertrag steht daher dem oder den Erben der Anspruch zu, dass Facebook vollen Zugang zu dem Account der Verstobenen zu verschaffen hat (Landgericht Berlin, Urteil vom 17.12.2015, Aktenzeichen 20 O 172/15).



Trauer um Tiere nicht unterschätzen

Foto: Pixabay

Der Verlust von Hund oder Katze kann belasten wie der eines Menschen

Jedes Jahr sterben Millionen Haustiere, allein ungefähr 1,5 Millionen Katzen und Hunde. Besitzer spüren den Verlust vor allem dann besonders intensiv, wenn enge Beziehungen bestehen und Tiere im Zusammenleben ähnliche Rollen einnehmen wie Menschen. Fast 30 Millionen Tiere leben in deutschen Haushalten. Vielen Haltern vermitteln Tiere Halt und Sicherheit. Sie fördern soziale Kontakte und gelten als verlässliche Partner und liebevolle Begleiter, die oft als Teil der Familie angesehen werden.

Fassungslosigkeit und Rückzug

„Stirbt ein Tier, zeigen die Besitzer mitunter ähnliche Reaktionsweisen wie beim Verlust eines Menschen“, weiß die Trauerberaterin Heidi Müller vom Beirat des Trauerportals www.gute-trauer.de, das von der Verbraucherinitiative Aeternitas ins Leben gerufen wurde. Dazu zählt sie Fassungslosigkeit, Rückzug, Traurigkeit oder Schlafprobleme. Besonders stark kann der Verlust beeinträchtigen, wenn die Besitzer ihre Tiere einschläfern oder in einer Ausnahmesituation alleine lassen müssen. Zum Beispiel führte der Hurrikan Katrina im Jahre 2005 bei einigen Menschen zu erheblichen Schwierigkeiten in der Verlustverarbeitung, weil sie bei Rettungsaktionen ihre Tiere zurücklassen mussten.

Auch Kinder vermissen den Gefährten

Zum Glück können Tierhalter heute immer häufiger ihre Trauer zum Ausdruck bringen und den Verlust ritualisieren. Die große Zahl an Tierbestattern, -krematorien und -friedhöfen zeugt davon. Dennoch stoßen viele auf Unverständnis. „Es war doch nur ein Tier“, lautet eine häufige Reaktion. „Dieses Abwerten der Beziehung und des Verlustes kann Betroffene zusätzlich belasten und ist wenig hilfreich“, gibt Müller zu bedenken. Insbesondere wenn Kinder im Haushalt mit einem Tier zusammenleben, sollte nicht einfach über den Verlust hinweg gegangen werden. Möglicherweise begegnen sie das erste Mal den Themen Sterben und Tod. Mithilfe erwachsener Bezugspersonen können Kinder viel aus dieser Erfahrung lernen, sei sie auch noch so schmerzlich.



Vom Tod zum ewigen Leben

Die Reidersche Tafel zeigt Christi Himmelfahrt als lebendiges Relief.   

Foto: Wikimedia Commons / A. Praefcke

Das Motiv der Himmelfahrt Christi gibt Trauernden Hoffnung

Das Grab Christi als lebensspendender Ort – so sieht es der römische Künstler, der sich um 400 die Auferstehung Jesu zum Thema gewählt hat. Vögel nähren sich von einem Baum auf der Ruhestätte, der reiche Früchte trägt. Darunter stehen die drei Frauen, die am Ostermorgen am Grab dem Engel mit der frohen Botschaft begegnen. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“, mahnt der Himmelsbote. Die Reidersche Tafel im Bayerischen Nationalmuseum ist eine der frühesten Darstellungen der Himmelfahrt Christi. Sie ist nur ein kleines Elfenbeinrelief im Maßstab 18,7 x 11,5 Zentimeter. Und doch fesselt sie den Betrachter wie nur wenige Bilder ihrer Art – vor allem durch die verschiedenen Reaktionen, die die Protagonisten zeigen. Eine der Frauen blickt neugierig, die anderen ängstlich, ein Mann krümmt sich, wendet sich aber Jesus zu. Dieser macht den oberen Winkel zum strahlenden Zentrum: Er greift mit der Rechten die Hand Gottes, um vom Tod zum ewigen Leben zu gelangen. Christen in aller Welt feiern die Himmelfahrt Jesu genau 39 Tage nach Ostern. Basierend auf Lukasevangelium und Apostelgeschichte zeigt sich der Messias zwischen Ostern und dem Tag, an dem er seinen Platz neben Gott einnimmt, seinen Jüngern. Seine Botschaft an die traurigen Freunde: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“



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