Himmel, Hölle oder Nirwana

Trotz aller Unterschiede in den Jenseitsvorstellungen ist den großen Weltreligionen die Erkenntnis gemeinsam, dass wir im Leben Verantwortung für das Danach tragen

Jerusalem ist für die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam eine heilige Stadt von unschätzbarer Bedeutung.

Foto: Fotolia

Dass der Mensch sich wahrscheinlich von Anbeginn seiner Existenz mit der Frage beschäftigt hat, was nach diesem Leben wohl kommen mag, wird eindrücklich durch Grabbeigaben aus der Frühgeschichte belegt. Im alten Ägypten sollten beispielsweise Schmuck, Kleidung, aber auch wertvolle Öle oder Wein den Toten in das weitere Leben begleiten. So scheint es, dass mit der Erkenntnis der eigenen Endlichkeit die Suche nach einem Sinn dieser Endlichkeit und dem Sinn des Sterbens verbunden ist.
  Den Begriff des „Jenseits“ im Gegensatz zum „Diesseits“ verwenden wir seit der Moderne, und es ist so spannend wie naheliegend, dass bereits das Wort für das, was wir im wahrsten, wörtlichen Sinne nicht begreifen können, ein diffuses Spannungsfeld eröffnet. So ermöglicht es ein räumlich-örtliches Verständnis eines anderen Ortes, an den wir gehen ebenso, wie ein zeitliches Verständnis im doppelten Sinne: Einen Zustand nach dem Leben, jenseits des Lebens, wie aber auch jenseits der Zeit, die wir zählen und erfassen, in Ewigkeit. Schließlich kann auch ein seelischer Zustand eines anderen Daseins bedacht werden, jenseits dessen, was unser Verstand zu Lebzeiten erfassen kann.
  Im Folgenden werden unterschiedliche Konzepte und Gedanken zu den Jenseitsvorstellungen in den Religionen bedacht – ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität.
  Von allen Weltreligionen ist das Judentum die am deutlichsten auf das Leben im Diesseits fokussierte. Das Diesseits wird in jeder Hinsicht bejaht. Dabei bestimmen zahlreiche Regeln und Gebote das Leben. Das Judentum ist eine Religion der Tat, die sittlichen Forderungen wollen erfüllt sein. Der Tod ist wie die Nacht zwischen zwei Tagen, dem Tag auf dieser Welt und dem Tag des ewigen Lebens.
  So gelten auch die jüdischen Friedhöfe als „Haus des Lebens“ oder „Haus der Ewigkeit“. Als einzige der Religionen hat das Judentum keine einheitliche Vorstellung vom Jenseits entwickelt. Einzelne Strömungen glauben an eine Unterwelt (Scheol), die Auferstehung oder die Unsterblichkeit der Seele.
  Die Jenseitsvorstellungen von Islam und Christentum sind sich in vielen Bereichen sehr ähnlich – die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, in Gottes Nähe. In beiden Religionen gibt es die Vorstellung eines Himmels und einer Hölle. Am „Jüngsten Gericht“, dessen Zeitpunkt niemand kennt, wird anhand der Taten im Leben entschieden, in welchen Bereich man eintreten darf, in das ewige Leben oder die ewige Verdammnis. Ob es sich bei dem „Jüngsten Gericht“ um ein konkret historisches oder ein individuelles Ereignis handelt, wird unterschiedlich gesehen. Der Gedanke ewiger Verdammnis und den damit verbundenen Höllenqualen wird heute bei beiden Religionen oft als Widerspruch zur Barmherzigkeit Gottes erlebt und daher negiert. Ist die Ursache für die Vergebung Gottes in der Bibel seine Liebe zu den Menschen, ist es im Koran seine Allmacht und seine erhabene Größe.
  Sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus besteht der Glaube an Wiedergeburt in einem Kreislauf der Reinkarnation. Im Hinduismus geht dieser Kreislauf, mit Zwischenschritten über Höllen oder Himmel bis zur endgültigen Erlösung im Moksha.
  Auch der Buddhismus glaubt an Wiedergeburt – mit der Grundhaltung, dass kein irdisches Dasein letztlich Erfüllung schenken kann. Interessant ist vor allem die Ursache der Wiedergeburt, ein Geist, der vom Erkenntniswillen getrieben ist, dem es Leid verursacht, nicht zu wissen und dem es in diesem Zustand unmöglich ist, Erfüllung zu finden. Erfüllung, Erkenntnis und das Ende allen Leids findet der Geist schließlich mit seiner Erlöschung im Nirwana. Der Buddhismus teilt nicht den Glauben an eine beständige Seele, wie im Islam oder im Christentum, sondern geht von der dynamischen Vorstellung aus, dass jeder Moment den nächsten bedingt. Berühmtes Gleichnis ist hier die Flamme, die in einer Stunde nicht dieselbe wie jetzt ist, aber auch nicht ohne die Zwischenzeit zu denken ist.
  Bedenkt man diese Vorstellungen, so ist ihnen eins, dass wir im Leben Verantwortung für ein Danach tragen – sei es durch eine Existenz in himmlischen oder höllischen Gefilden oder für ein Sehnen nach Erlöschen des Geistes. Alle Konzepte stiften Sinn und haben die Kraft, in aussichtslosen Situationen Mut zu spenden, zu guten Taten zu motivieren oder auch – und dies scheint das Meiste – eine Hilfestellung zu bieten, mit der Erkenntnis der eigenen, eigentlich unglaublichen, unfassbaren Endlichkeit zu leben.

    Julia Hagmeyer

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Christophorus Hospizvereins München)

 

 



Biographie mal anders

Ein Lebensfilm ist eine ganz persönliche Möglichkeit, die Erinnerung an wichtige Begebenheiten zu bewahren 

Der Tod eines Menschen ruft Erinnerungen wach: Bewegendes, Fröhliches, Schmerzhaftes. Lebenslust und Lebenskrisen von Angehörigen oder Freunden werden wieder lebendig. Und doch gibt es Lücken in der Erinnerung der Hinterbliebenen. Lücken, die ein sogenannter Lebensfilm füllen kann. Mittlerweile finden sich im Internet zahlreiche Angebote von Firmen, die sich auf diese zeitgemäße Art der persönlichen Biographie spezialisiert haben. Sie arbeiten beispielsweise mit Foto-, Video- und Diamaterial, das sie gegebenenfalls auch digitalisieren. Dazu können Texte, Musik oder der jeweiligen Situation und Stimmung entsprechende Sequenzen und Fotos eingeblendet werden.
  Ein solcher Lebensfilm ist ein adäquates Medium für eine Trauer- oder Gedenkfeier, wenn ein Bild mehr sagen kann als tausend Worte. Es ist aber auch eine sehr persönliche Gabe für alle, die die Trauer um einen Verstorbenen verbindet. Deshalb ist es wichtig, dass ein Inter-viewer mit Empathie und Zeit sich auf diese Art der Biographie einlässt. Denn nur so kann er anhand von Gesprächen, Foto- und Diamaterial, vielleicht auch Briefen, Buchauszügen und sonstigen Texten eine ansprechende und berührende filmische Dokumentation erstellen.
  Immer beliebter wird aber auch, selbst auf eine Reise ins eigene Leben zu gehen, begleitet von einem fachkundigen Biographen. Die Vorgehensweise ist ähnlich, nur dass man selbst die Schwerpunkte setzt, die später im Film zu sehen sein werden. So kann der Lebensfilm zu einem Zeitdokument werden, das nicht nur den „Auftraggeber“ erfreut, sondern seine ganze Familie. Denn schließlich geht es von der Geburt, der Kindheit, über Schülerleben und -lieben, sportliche, handwerkliche oder künstlerische Ambitionen über Freundschaften, Liebe, Hochzeit, das Arbeitsleben und die Freizeit bis zum heutigen Tag. Das heißt, der „Autor“ oder die „Autorin“ gibt ein ganzes Leben als Geschenk weiter.

 



Veranstaltungen:

Bestattungsvorsorge

Sich selbst rechtzeitig um die eigenen „letzten Dinge“ zu kümmern. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Diese Art der Vorsorge hilft den Menschen, die nach dem Tod für die eigene Bestattung verantwortlich sind. Sie wissen damit um Wünsche und Vorstellungen, die umgesetzt werden sollen.  
Über die Möglichkeiten, die einzelnen Schritte sowie die Rechte und Pflichten bei einer Bestattung informiert kostenlos am Mittwoch, 25. Februar 2015, um 17 Uhr AETAS Lebens- und Trauerkultur, Baldurstr. 39.

Anmeldung erbeten unter     
Telefon 089-15 92 76-0,     
info@aetas.de, www.aetas.de

 

 

 



Download der aktuellen Sonderveröffentlichung als PDF

Hier können Sie sich die aktuelle Version der Sonderveröffentlichung als PDF herunterladen.