GESCHENK ZUM ANDENKEN

Im Rahmen eines ruhigen Gesprächs mit dem Bestatter lassen sich viele Fragen unkompliziert klären. Unter anderem wissen er oder sie auch, welche Objekte sich als Grabbeigaben eignen könnten.

Foto: Fotolia/auremar

Mit einer Grabbeigabe können Hinterbliebene zeigen, wie sehr sie den Verstorbenen schätzten und liebten

Wer von einem lieben Menschen Abschied nehmen muss, möchte ihm vielleicht für seinen letzten Weg noch etwas mitgeben. Das kann ein stiller Gruß sein, aber auch ein konkreter Gegenstand. Oftmals handelt es sich um Dinge, die der Verstorbene schon zu Lebzeiten benutzt hat. Es kann aber auch etwas sein, was speziell für die Bestattung angefertigt wird. Persönliche Erinnerungsstücke, außergewöhnliche Gegenstände, selbstgebastelte Dinge – die Hinterbliebenen entscheiden, was sie mitgeben möchten. Der Bestatter entscheidet, welche Objekte tatsächlich mit in den Sarg gelegt werden können. Dinge, die beispielsweise die Würde des Verstorbenen antasten könnten oder das Pietätsempfinden stören, zählen dazu. Oder Gegenstände, die aufgrund eines relevanten Giftgehalts Boden und Grundwasser beeinträchtigen könnten. Im Falle einer Einäscherung dürfen es nur brennbare Beigaben sein. Betroffen sind auch Dinge, die bei der Feuerbestattung aufgrund einer Giftfreisetzung Schaden anrichten. Reglements werden von der Friedhofsverwaltung der jeweiligen Kommune erteilt, zudem hat jedes Bundesland ein eigenes Bestattungsgesetz. Im Zweifelsfall ist die Kompetenz der Bestatter gefragt, wenn es darum geht, rechtzeitig vor dem Begräbnis mit behutsamem Einfühlungsvermögen mit den Hinterbliebenen abzuklären, was als Grabbeigabe angemessen und vor allem möglich ist. In den meisten Fällen sind die Dinge, mit denen die Verstorbenen bedacht werden, als Grabbeigabe möglich. Das können Dinge sein, die von ideellem, emotionalem Wert für den Verstorbenen, aber auch für die Angehörigen sind. Ein geeigneter Gegenstand kann durchaus einen wichtigen Beitrag zur Trauerarbeit der Hinterbliebenen leisten. Häufig werden den Verstorbenen Schmuckstücke beigelegt, oft Fotos, auch Bilder oder Gegenstände mit religiöser Symbolkraft. Die Tradition der Grabbeigabe hat ihren Ursprung in zahlreichen Kulturen längst vergangener Epochen, in denen die Menschen an ein Leben nach dem Tod glaubten und die Beigaben als notwendig erachteten. So gibt es sogar Funde aus der Steinzeit, die belegen, dass damals unter anderem Waffen und Schmuck als Beigaben gebräuchlich waren. Der Wunsch, dem Toten möge die Beigabe im Jenseits nützlich sein oder ihn erfreuen, entspringt der Auferstehungshoffnung, die in den drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam gelehrt wird. Aus christlicher Sicht ist eine Grabbeigabe also nicht notwendig, sondern eher als Ehrerweisung zu verstehen.

 



Eigene Orte schaffen

Dieser Bestattungsgarten in Lübeck ist ein Gemeinschaftsprojekt von Steinmetzen, Friedhofsgärtnern und der Friedhofsverwaltung.
Foto: BIV Steinmetze

Grabstein und –bepflanzung werden zunehmend individueller gestaltet

Die Grabgestaltung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich individueller geworden. Dies trifft insbesondere auf das Grabmal zu, denn es soll das Leben und die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegeln. Oft entsteht solch ein Grabstein in enger Abstimmung zwischen Steinmetz und Kunde. Die Bestattungskultur hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt, hat der Bundesverband Deutscher Steinmetze beobachtet. Der Trend gehe hin zu individuellen Grabmalen, was im Gegensatz zur anonymen Bestattung stehe, die in vielen Regionen wieder rückläufig sei. Bei der Gestaltung treten neben christlichen Zeichen, Motiven und Worten moderne Formen, weltliche Zeichen und Symbole eine immer wichtigere Rolle. Hinterbliebene wollen auch stärker mitgestalten als früher. Nicht zuletzt ist die Mitwirkung an der Gestaltung des Grabmals auch ein Teil der Trauerarbeit. Viele Menschen begreifen sie als einen „letzten Dienst“ am Verstorbenen. Bei Auswahl und Gestaltung spielt der Preis für viele Hinterbliebene nicht unbedingt die zentrale Rolle. Wenn Objekte überzeugen, wählen Hinterbliebene durchaus anspruchsvoll gestaltete Grabmale, die die Einzigartigkeit des Verstorbenen zum Ausdruck bringen. Dabei werden vermehrt regionale Natursteine aus Deutschland und Europa nachgefragt, eine Entwicklung, die auf einen bewussteren Lebensstil vieler und das ökologische Umdenken allgemein zurückzuführen ist. Auch die Friedhöfe öffnen sich für neue Gestaltungsmöglichkeiten. Die Reglementierungen sind mittlerweile weniger streng. Neue, von Steinmetzmeistern gemeinsam mit Friedhofsgärtnern und -verwaltungen entwickelte Konzepte wie Memoriam-Gärten und Themengrabanlagen wurden bereits in vielen Gemeinden umgesetzt oder werden diskutiert. Auf den Friedhöfen entstehen dadurch neue Räume, die für viele Hinterbliebene eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Anlagen darstellen. Diese zeitgemäßen Angebote finden Anklang bei vielen Hinterbliebenen, die Nachfrage ist groß. Die Resonanz ist so positiv, dass viele Gemeinden die Umsetzung ähnlicher oder weiterer Angebote planen. Eine Herausforderung seien, so der Verband, kleinflächige Urnengräber, denn hier ist der Gestaltungsspielraum naturgemäß begrenzt. Trotzdem muss es nicht zwangsläufig die einfache Platte mit Namen und Lebensdaten sein. Auch im Kleinen ist Kreativität und Individualität möglich. Viele Anregungen gibt es beispielsweise im Internet unter www.bivsteinmetz.de und www.natursteinunikat.de.



Aufblühende Erinnerung

Besonders zu den Gedenktagen, an Allerheiligen, Allerseelen und am Totensonntag, werden Gräber besonders schön hergerichtet.

Foto: BdF

Im Herbst werden die Gräber farbenprächtig und liebevoll geschmückt, aber auch auf den Winter vorbereitet

Die Natur steckt voller Wunder, die mitunter auch widersprüchlich scheinen: Gerade im Herbst verabschiedet sie sich mit kraftvollen Farben, die in der tiefer stehenden Sonne warm leuchten. Das, was vergeht, erscheint so in vollendeter Schönheit. Auch auf dem Friedhof, wo das Gedenken an die geliebten Menschen vor allem in dieser Jahreszeit sichtbaren und lebendigen Ausdruck findet: Die Gräber werden liebevoll für Herbst und Winter vorbereitet und geschmückt, Lichter und Kerzen tauchen den Ort der Erinnerung in stimmungsvolles Licht. Doch zuvor müssen noch die Spuren der vergangenen Saison Platz machen für die herbstliche Pracht: Einjährige Sommerblüher machen Erika, Callunen oder Chrysanthemen Platz, herabgefallene Blätter werden entfernt, Stauden gestutzt. Gut zu wissen, dass noch gepflanzt werden kann, solange der Boden noch nicht gefroren ist. Da mit sinkenden Temperaturen die Luft immer trockener wird, ist es wichtig, die Pflanzen zu regenfreien Zeiten auch ausreichend zu bewässern. Wer sich gerne und regelmäßig um das Grab eines geliebten Menschen kümmert, für den ist die Zeit im Herbst in gewisser Weise eine Herausforderung, soll die Grabstätte doch einerseits zu den Gedenktagen in neuem herbstlichen Glanz erstrahlen, andererseits muss das Grab auch bald winterfest gemacht werden. Für die Katholiken sind Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November, für die evangelischen Christen ist der Totensonntag am 21. November ausschlaggebend für den Hochbetrieb auf dem Friedhof. Die Wechselbepflanzung wird mit Herbstpflanzen ausgestattet oder mit verschiedenen Edeltannen und Moos abgedeckt. Dabei sollte man unter anderem darauf achten, dass bei dem abdeckenden Material für ausreichend Luftzirkulation gesorgt ist. Über die Wechselbepflanzung hinaus stehen für den herbstlichen Grabschmuck viele Möglichkeiten zur Verfügung: von der Grabschale über das Gesteck bis zum Blumenstrauß. Neben Heide, Veilchen und diversen anderen kommen dem Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) zufolge für die Herbstbepflanzung durchaus auch Pflanzen in Frage, die man eher aus Küche und Kräutergarten kennt: Der Salbei etwa, dessen Variante „salvia officinalis tricolor“ mit wunderschön grünpurpur gefärbten Blättern mit weißem Rand aufwartet, der sich bei niedrigen Temperaturen rosa verfärbt. Auch die Persönlichkeit des Verstorbenen spielt bei der Grabgestaltung an den Trauertagen eine ganz besondere Rolle: Gerne werden Pflanzen zum Grab gebracht, die der Verstorbene besonders mochte oder die die Hinterbliebenen an gemeinsame Urlaube erinnern. Auch natürliche Materialien wie Steine, Holz oder Tannenzapfen, mit denen man auf verschiedene Weise Trauer und Erinnerung zum Ausdruck bringen kann, machen die Grabstaltung stilvoll. Wer sich unsicher ist, kann die örtlichen Friedhofsgärtnereien fragen, sie stehen mit Tipps und Ideen gerne zur Seite.

 



Warum sind wir das, was wir sind?

Warum sind wir das, was wir sind?

Besonders zu den Gedenktagen, an Allerheiligen, Allerseelen und am Totensonntag, werden Gräber besonders schön hergerichtet.

Foto: BdF

In einfühlsamen Interviews erzählt SZ-Redakteur Lars Langenau über Angehörige, die schicksalhafte und einschneidende Erlebnisse geprägt und stark gemacht haben. Das Ressort „ÜberLeben“ im Trauerportal der Süddeutschen Zeitung ist zu finden unter www.sz.de/trauer



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