Digitaler Nachlass - Was ist das?

Ein Interview mit den Bestattungsunternehmern Toni Hanrieder und Karl Albert Denk und dem Geschäftsführer Oliver Eiler von Columba, dem digitalen Nachlassdienst.

Von Dorothea Friedrich
 
Karl Albert Denk, Oliver Eiler, Toni Hanrieder
Foto: T.Scheuer
Bestattungsunternehmen sind Treuhänder des Abschiedsprozesses – daher kümmern sie sich in Kooperation mit Columba auch um die neuen Herausforderungen, die das Internet für Hinterbliebene bedeutet.
 
Stirbt ein Angehöriger, stehen die Hinterbliebenen vor vielen Aufgaben. Schon alleine die Beerdigung zu organisieren, überfordert den Einzelnen in dieser emotionalen Ausnahmesituation. Bestatter sind in diesen Fällen viel mehr als Dienstleister. Sie übernehmen alle notwendigen Schritte, um die Trauernden zu entlasten. Das geht weit über den Tag der Beisetzung hinaus. Deshalb sehen sich auch die Bestatter inzwischen mit neuen Herausforderungen konfrontiert, beispielsweise dem sogenannten digitalen Nachlass. Um dieses Problem konstruktiv im Sinne ihrer Kunden zu lösen, arbeiten zehn deutsche Bestatterverbände, darunter auch der bayerische, inzwischen eng mit einem Unternehmen zusammen, dass sich – vergleichbar einem Nachlassverwalter in der realen Welt – um alle Belange des digitalen Nachlasses kümmert (siehe Kasten). Warum Bestattungsunternehmen und Columba ideale Kooperationspartner sind, erläutern die Bestatter Toni Hanrieder (www.hanrieder.de) und Karl Albert Denk (www.karlalbertdenk.de) sowie Oliver Eiler, Geschäftsführer von Columba – der digitale Nachlassdienst (www.columba.de).
 
Warum ist die Regelung des digitalen Nachlasses zu einer Aufgabe der Bestatter geworden?
 
Toni Hanrieder: Vielleicht erinnern Sie sich noch an den James Bond Film "Man lebt nur zweimal". Heutzutage gilt beinahe für jeden von uns, dass wir ein "doppeltes Leben" führen: eins in der Realität und eins im Netz. Und so wie wir im realen Leben Tag für Tag unsere Spuren hinterlassen, so hinterlasst sie jeder von uns auch als Internet-Nutzer im Netz. Für den Todesfall bedeutet dies nichts anderes, als dass auf die Angehörigen, resp. Erben die Verantwortung für die "realen" Hinterlassenschaften des Verstorbenen ebenso übergeht wie die Verantwortung für die digitalen. Und wir als Bestatter sind zumeist der erste Ansprechpartner der Hinterbliebenen.  
 
Das erklärt noch nicht, warum sich Bestatter um den digitalen Nachlass kümmern.
 
Karl Albert Denk: Es ist ja nicht so, dass der Bestatter den Sarg hinstellt, sich um Blumen und Sterbebilder kümmert und das war’s. Zu unseren Dienstleistungen gehört auch die Abmeldung bei den Sozialversicherungsträgern oder beispielsweise bei der SZ.
 
Toni Hanrieder: Zum heutigen Selbstverständnis als Bestatter gehört, dass wir uns im digitalen Zeitalter - neben unseren originären Aufgaben - auch als Treuhänder des digitalen Nachlassprozesses sehen. Deshalb klären wir unsere Kunden im Trauerfall frühzeitig darüber auf,  dass im Erbfall möglicherweise die Vertragshaftung für Schulden aus Onlineverträgen, Ansprüche auf Guthaben im Netz sowie Verfügungsrechte über die öffentlichen Profile des Verstorbenen  (soziale Netzwerke etc.)  auf sie übergehen. Durch unserer Exklusiv-Partnerschaft mit Columba - der digitale Nachlassdienst" bieten wir unseren Kunden ausgewiesene Fachleute für Fragestellung zum "digitalen Erbe". Und dies: kompetent, leistungsstark, transparent und seriös. 
 
Karl Albert Denk: Es gab dabei viele Punkte zu beachten, zum Beispiel ist es für uns Bestatter schon schwierig, den richtigen Ansprechpartner in einer Internetfirma herauszufinden. Für mich ist es am wichtigsten, dass die Daten der Verstorbenen bei Columba bleiben.
 
Herr Eiler, warum brauchen wir Spezialisten, wie Sie einer sind? 
 
Oliver Eiler:  Es gibt inzwischen in Deutschland ca. 60 Millionen Internetnutzer. 97 Prozent von ihnen erwerben Waren und Dienstleistungen im Netz. Aber sie speichern ihre Daten nicht so, dass sie im Sterbefall für Angehörige zugänglich wären. Die Daten sind also – bildlich gesprochen – in einem verschlossenen Tresor gelagert. Die Konsequenz: Hinterbliebene könnten mit viel Arbeit und oft auch viel Glück Verträge, die auf sie übergehen, analysieren und bewerten, um zu wissen, welche sie übernehmen wollen und welche sie kündigen wollen. Sie können sich aber niemals sicher sein, sämtliche Online-Accounts des Verstorbenen – von sozialen Netzwerken, über Mitgliedschaften und Verbindlichkeiten bei diversen Anbietern von Multimedia-Diensten, Spiele-und Wettanbietern, Online-Versandhändlern bis zu Online-Bezahldiensten und Online-Banken zu finden.
 
Und wie werden Sie fündig?
 
Oliver Eiler: Columba versteht sich als informationstechnische Brücke zwischen den Unternehmen und den Angehörigen. Wir sind Dienstleister der Bestattungsunternehmen und pflegen gleichzeitig die Partnerschaft zum E-Business. Wir bieten Unternehmen an, ihre Kundendaten verschlüsselt mit den Daten abzugleichen, die wir treuhänderisch für Bestatter und deren Kunden vorhalten. Gibt es Übereinstimmungen, also Treffer, wird diese Information allen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Dabei werden selbstverständlich sämtliche Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes und des Erbrechts genauestens beachtet. 
 
Kooperieren alle Firmen mit Ihnen?
 
Oliver Eiler: Wir haben eine sehr hohe Abdeckung, insbesondere bei allen wichtigen Internetunternehmen in Deutschland. Aber selbstverständlich, es gibt auch Firmen, die nicht daran interessiert sind, Kündigungen dieser Art entgegen zu nehmen.  Das sind aber die Ausnahmen. 
 
Informieren Sie Ihre Kunden auch, wenn Sie bei Ihren Recherchen auf widerliche und anstößige Seiten im WWW treffen? Dass ein Verstorbener dort gesurft hat, kann ja noch lange nach dem Tod die Angehörigen erschüttern...  
 
Toni Hanrieder: Das ist in der Tat schwierig. Wenn wir Daten im Auftrag unserer Kunden an Columba weiterleiten, berücksichtigen wir natürlich mögliche Hinweise. Wir empfehlen bei „Erwachsenenseiten“, wenn ich die einmal so nennen darf, diese kündigen und das dortige Konto des Verstorbenen zu löschen.
 
Karl Albert Denk: Wenn ein Kunde eine entsprechende Vermutung uns gegenüber äußert, informieren wir Columba. Dort wird dann recherchiert. Das ist ein Stück Seelenhilfe. Denn wenn ein Hinterbliebener sich damit alleine auseinandersetzen muss, ist das eine Riesenbelastung. So aber sind wir beziehungsweise Columba da. Mit uns kann man reden – und wir haben eine objektive Sichtweise. 
 
Oliver Eiler: Notfalls gehen wir gegen die betreffenden Unternehmen mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln vor. Wir sind schließlich Ombudsmann unserer Kunden und müssen auch in verzwickten Fällen eine Kündigung bei Anbietern solcher Seiten durchsetzen. 
 
Die digitale Nachlassregelung Fachleuten anzuvertrauen, ist also sinnvoll. Wann aber bringen Sie dieses sensible Thema zur Sprache – und wie groß ist die Akzeptanz?

Toni Hanrieder: Zehn Bestatter-Landesverbände haben sich inzwischen bereit erklärt, mit Columba Verträge abzuschließen. Das zeigt zweierlei: Einmal, dass ein Bedarf auf Seiten der Kunden besteht. Und zum Zweiten, dass Columba ein leistungsstarkes und vertrauenswürdiges Unternehmen ist.
 
Zwischenfrage: Sie haben also Columba auf Herz und Nieren geprüft?
 
Karl Albert Denk: Ja, und wir investieren auch von unserer Seite in diese Zusammenarbeit, indem wir zum Beispiel unsere Mitarbeiter für dieses Thema sensibilisieren und schulen.
 
Toni Hanrieder: Für mich ist Columba der beste Dienstleister auf diesem Gebiet. Was Columba macht, ist aktiver Datenschutz. Wir sind zudem überzeugt, dass die Regelung des digitalen Nachlasses einen echten Mehrwert für die Nutzer unseres Angebotes hat. 
 
Oliver Eiler: Wir bieten eine neuartige Lösung für ein lange bekanntes Problem an. Inzwischen kooperieren wir mit über 270 Bestattungsunternehmen, die den gemeinsamen Service in ganz Deutschland verfügbar machen.
 
Interview: Dorothea Friedrich
 
Kooperation im Sinne der Angehörigen
Columba und zehn Bestatterverbände haben ein Online-Schutzpaket entwickelt, das für Rechtssicherheit sorgt

Bereits mehr als 80 Prozent der Deutschen nutzen beruflich oder privat das Internet. Was viele nicht wissen: Im Internet geschlossene Verträge und Verbindlichkeiten bleiben über den Tod hinaus bestehen. Im Trauerfall kann der digitale Nachlass für Angehörige mit erheblichen Kosten verbunden sein. Denn die meisten Nutzer informieren weder engste Vertraute über ihre gesamten Aktivitäten im Internet noch hinterlegen sie alle Passwörter oder Vertragsdaten. Auch Vermögenswerte und Guthaben des Verstorbenen bleiben so unbekannt und können nicht ausbezahlt werden.
Mit dem Online Schutzpaket wird festgelegt was mit dem digitalen Nachlass des Verstorbenen geschehen soll. Das Online Schutzpaket gewährleistet Iim Trauerfall:
Sichern von Guthaben. Online-Guthaben oder andere Vermögenswerte aus Online-Aktivitäten des Verstorbenen werden ermittelt und die rechtmäßige Rückführung des Erbes wird eingeleitet - beispielsweise Guthaben bei Online-Bezahldiensten.
Schutz vor Schulden. Kostenpflichtige Internetaktivitäten des Verstorbenen können ausfindig gemacht, Verträge gekündigt oder übertragen werden. Unnötig auflaufende Kosten, die Angehörige oder Erben übernehmen müssen, können so verhindert werden - etwa bei Online Bezahldiensten, Online Abos oder kostenpflichtigen Online-Partnervermittlungen.
Schutz der Privatsphäre. Aktive Profile in sozialen Netzwerken können beispielsweise in einen "Trauer-Modus" überführt werden.
Über weitere Modalitäten wie Kosten, Informationsübermittlung etc. informieren der Bestatter oder Columba.dfr