Der Nachlass verstorbener Töchter und Söhne

Der Nachlass verstorbener Töchter und Söhne
Stirbt das eigene Kind, gerät die Welt aus den Fugen
Foto: Landmann
In vielen Fällen ist es für trauernde Hinterbliebene eine besonders schwere Aufgabe den Nachlass zu regeln. Dies ist schon dann nicht immer einfach, wenn es sich um ein erwartetes Erbe beim Tod der Eltern handelt. Aber es stellt nochmals eine besondere Herausforderung dar, wenn es um das eigene Kind geht, dessen Tod man betrauert und dessen Nachlass man gleichzeitig regeln muss.
 
Jugendliche und junge Erwachsene, die gerade damit begonnen haben ihr eigenes Leben zu führen und auf den eigenen Füßen zu stehen, grenzen sich oft bewusst von den Eltern ab, pflegen neue Kontakte, teilen nicht mehr alles mit, brauchen ihre Privatsphäre und vielleicht auch Geheimnisse. Plötzlich sehen sich trauernde Eltern nun in der Situation, hier Dinge zu regeln und entscheiden zu müssen, inwieweit sie das alles wissen wollen. Wäre das der Tochter, dem Sohn recht gewesen?
 
Vielleicht ist es die erste Wohnung, die es nun gilt aufzulösen, oder auch nur das Studenten¬zimmer in einer anderen Stadt. Für Eltern und Hinterbliebene bedeutet es meist einen enormen Kraftakt diese schwierige Aufgabe zu bewältigen. Die Konfrontation mit den persönlichen Gegenständen, all den Dingen, die eine Bedeutung im Leben des verstorbenen Kindes hatten, bewirkt meist eine emotionale Achterbahn. Was davon möchte und kann man aufbewahren? Wer  soll was bekommen?
 
Der Erfahrungsaustausch in den Selbsthilfegruppen des Vereins Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister München e.V. kann hier Entlastung und Rückhalt geben. Für Trauernde ist es erleichternd zu erfahren, dass sie mit all diesen Schwierigkeiten und ihrem Schmerz nicht alleine stehen. Wenn es dann gelegentlich juristische Fragen zu klären gibt, kann ein Rechtsanwalt des Vereins mit Rat und Tat zur Seite stehen.
 
Digitaler Nachlass
Immer häufiger geht es heute auch darum den digitalen Nachlass zu regeln. Was soll mit Web-Seiten, E-Mails, Online-Profilen, Twitter-Nachrichten geschehen? Es ist eine Vielzahl von Daten, die im Netz über jeden Einzelnen herumschwirren und es ist nicht immer einfach die Postfächer und Profile eines verstorbenen Internetnutzers überhaupt zu finden. Und woher bekommt man die nötigen Passwörter und sonstigen Zugangsdaten?
 
Nutzerprofile und –konten des Verstorbenen gehören den Erben. Auf sie gehen auch Verpflichtungen, etwa aus Verträgen unmittelbar über. Deshalb kann es wichtig sein, dass diese Verträge gefunden und gegebenenfalls beendet werden. Da der Schutz der Daten eines Menschen in der Regel mit dessen Tod enden, ist es auch sinnvoll, Profile und Internetzugänge zu kontrollieren, zu löschen oder zumindest zu minimieren.
 
Das Leben geht weiter – dazu gehört in der heutigen Zeit auch, sich um den sogenannten digitalen Nachlass zu kümmern. Eine Aufgabe, die viele Eltern überfordert. Doch es gibt professionelle Unterstützung.
Foto: Fotolia
Hinweise findet man hierzu auf der Seite des Ministeriums unter www.vis.bayern.de/daten_medien/medien/digitalernachlass.htm
Dort erfährt man auch, wie man in Netzwerken, wie zum Beispiel Facebook die Seite von Verstorbenen in einen sogenannten Erinnerungsmodus setzen kann. Unter das Bild können Freunde dann noch Beileidswünsche und Erinnerungen schreiben, aber alle persönlichen Nachrichten werden gelöscht.
 
So eine virtuelle Pinnwand für seinen Sohn Matthias, der mit 20 Jahren an Leukämie starb, hat zum Beispiel auch Michael K. eingerichtet. Die Beileidswünsche und Mitteilungen der Freunde seines Sohnes gaben ihm Kraft, sagt Michael K., der sich heute im Verein Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister ehrenamtlich engagiert. Für ihn war es hilfreich die Mails und Einträge seines Sohnes zu lesen. Matthias hatte ihm aber auch einige Zeit vor seinem Tod alle Passwörter aufgeschrieben. Manch anderer muss die Erfahrung machen, dass Mail-Accounts bereits gelöscht sind, bis man mit Hilfe des Erbscheins Zugriff darauf erhält. Doch wäre diese Sammlung von Daten und Informationen vielleicht hilfreich.
 
Deshalb ist es wichtig sich nach dem Tod von Töchtern und Söhnen  auch mit diesen Fragen zeitnah auseinanderzusetzen, sich gegebenenfalls Unterstützung zu suchen, wenn man sich selbst damit überfordert fühlt und keinesfalls zu zögern, Hilfe anzunehmen.
 
Susanne Lorenz
 
Geschäftsstelle: St. Wolfgangs Platz 9, 81669München, Tel: 089/ 480 88 99-0, Mail: verwaisteeltern@t-online.de