Einladung zum Innehalten

Frühlingsblumen können Trost spenden, indem die das Andenken in den Kreislauf des Lebens einbinden.
Foto: BdF, Bonn

Auch der öffentliche Raum des Gedenkens verwandelt sich derzeit – innerhalb der Friedhofsmauern erwacht allerorten neues Leben?

Grünendes und blühendes Leben auf dem Friedhof – das klingt widersprüchlich? Dann wird es vielleicht Zeit, mal wieder über einen Friedhof zu gehen, wenn man es nicht ohnehin tut, um das Grab eines geliebten Menschen zu besuchen. Denn jetzt, im Frühjahr, summt es dort nur so vor Betriebsamkeit. Bienen, Hummeln und andere Nützlinge sind mit den ersten Sonnenstrahlen unterwegs, um Nektar und Pollen von den vielen Frühlingsblühern zu sammeln, die den Friedhof nun in frischen Farben erstrahlen lassen. Auch die Eichhörnchen sind sichtlich froh über das Ende der Winterpause, ausgelassen flitzen sie die Baumstämme hinauf und wieder hinunter. In ihrem Spiel lassen sie sich auch von den zahlreichen menschlichen Besuchern nicht stören, die jetzt mit Primeln, Stiefmütterchen und Gartenschaufeln ausgestattet den Gräbern ein frisches Aussehen verleihen oder aber nachsehen möchten, was die mit der Grabpflege beauftragten Friedhofsgärtner dieses Jahr wieder für stimmungsvolle Frühlingsbilder auf den Ruhestätten schaffen. Überall grünt und blüht es, die Vögel zwitschern endlich wieder. Nach getaner Arbeit, oder einfach, um stille Zwiesprache zu halten, kann man als Friedhofsbesucher wunderbar auf einer Bank verschnaufen und die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit auch zu einem Schwätzchen mit Bekannten oder informieren sich bei den immer anzutreffenden Friedhofsgärtnern über die Möglichkeit, die Grabpflege oder Teile davon in professionelle Hände zu legen. Die Gärtner selbst freuen sich, wenn sie weiterhelfen können, und erklären bereitwillig, was es etwa mit der Dauergrabpflege auf sich hat – weshalb sich laut Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner immer mehr Menschen für diese Form der Vorsorge entscheiden, wie individuell sich die Verträge gestalten lassen und wer das im Voraus gezahlte Geld verwaltet sowie die Qualität der Leistungen gewährleistet. Oft gibt es nur wenige Schritte weiter schon die Gelegenheit, die Möglichkeiten zur Gestaltung und Pflege an Beispielen aus der Praxis zu erläutern. Nicht wenige schauen auf dem Rückweg noch einmal in der Friedhofsgärtnerei vorbei, um sich ein konkretes Angebot machen zu lassen, oder rasch noch eine schön bepflanzte Schale für Hauseingang oder Balkon mitzunehmen. 
Grabgestaltung in der aktuellen Saison
Frühblüher in leuchtenden Farben sind in den Friedhofsgärtnereien besonders gefragt. Dass die Auswahl abwechslungsreich und somit nicht langweilig wird, dafür sorgt nicht nur der vorangegangene Winter, sondern auch die stetig größere Auswahl. Der Vorteil: Die Fachleute kultivieren die Frühblüher oft von Beginn an bei kühleren Temperaturen und härten sie auf diese Weise besser ab, was gerade bei den Frühlingsblumen besonders wichtig ist. Bei den wohl beliebtesten Frühlingsvorboten beispielsweise, den Primeln und Hornveilchen, halten die Friedhofsgärtner neben den klassischen Varianten viele moderne Sorten von ganz besonderem Zauber bereit. Zarte Pastelltöne, Exemplare mit spektakulären Kontrasten und/oder Farbverläufen, gerüschte oder dichtgefüllte Blüten, für jeden Gestaltungsstil finden sich passende Pflanzen. Auch die beliebten Bellis und Ranunkeln verleihen der Grabstätte gemeinsam mit Tausendschön, Vergissmeinnicht, Hyazinthen, Tulpen und Narzissen stimmungsvolles Frühlingsflair. Ob sie sich dann als farbenfrohes Band zwischen Grabstein, Einfassungspflanzen und Bodendeckern hindurchschwingen, sich als elegantes Ton-in-Ton-Ensemble präsentieren oder die letzte Ruhestätte mit farblich kontrastierenden floralen Ornamenten schmücken, hängt sowohl von persönlichen Vorlieben als auch von der Grabgröße und der grundlegenden Gestaltung ab. Friedhofsgärtner beraten gerne und übernehmen auf Wunsch auch die saisonal wechselnde Neubepflanzung und die dauerhafte Grabpflege.

 



In Tradition vereint

Der Friedhof ist für viele Menschen ein wichtiger Ort der Trauerarbeit. Die Erinnerung an den geliebten Menschen begleitet sie durch den Wandel der Zeit – auch dies wird durch ein saisonal gestaltetes Grab ausgedrückt. 

Foto: Landmann

 

Viele Bräuche, die wir rund um das Osterfest kennen, stammen aus vorchristlicher Zeit?

Der ewige Kreislauf des Werdens und Vergehens – an kaum einem anderen Platz zeigt er sich deutlicher als auf dem Friedhof, wo jetzt die Pflanzen und Blüten des Frühlings wachsen und in Schalen oder Vasen die letzte Ruhestätte der Verstorbenen schmücken. Werden und Vergehen – Dieses Mysterium hat zu allen Zeiten die Menschen fasziniert. Und so sind viele Bräuche aus vorchristlicher Zeit von der Kirche adaptiert worden. Das zeigt sich besonders in der Feier der Karwoche und der Osterliturgie. An Gründonnerstag und Karfreitag gedenken die Christen der Passion Jesu. In der Osternacht feiern sie seine Auferstehung und entzünden das Osterfeuer. Am Ostermorgen werden traditionell Ostereier versteckt und gesucht. Das Feuer ist in allen Kulturen heilig gewesen. So hatten zum Beispiel sechs Vestalinnen, das waren altrömische Priesterinnen der Herdgöttin Vesta, dafür zu sorgen, dass das heilige Feuer niemals ausging. Mit Frühlingsfeuern begrüßten die Menschen die Sonne, den Mittelpunkt des Lebens. Mit teils ausgelassenen Feiern sollten Fruchtbarkeit, Wachstum und Ernte gesichert werden. So vertrieben sie den Winter, die Zeit der Entbehrung und des Hungers. Die astronomische Berechnung des Frühlingsbeginns hatte nämlich schon in grauer Vorzeit eine überlebenswichtige Bedeutung. Die Zeit der Aussaat musste bestimmt werden, damit die Pflanzen ausreichend Zeit zum Wachsen hatten. Denn, was wir heute gerne vergessen: In Mitteleuropa gab es immer wieder sogenannte „kleine Eiszeiten“, in denen die Wachstumsperiode, klimatisch bedingt, nur sehr kurz war. 

Sinnbild des Lebens

Im achten Jahrhundert ging man zunächst in Frankreich dazu über, den Sieg über den Winter und das Erwachen der Natur so umzudeuten, dass mit der Auferstehung Jesu nun ein immerwährendes Licht die Welt erhellt. Heute ist die Entzündung des heiligen Osterfeuers ein zentrales Ereignis für die Christen. Das Feuer wird am Samstag vor Ostern vor der Kirche entfacht und geweiht. Daran entzündet der Priester die Osterkerze, die anschließend in feierlicher Prozession mit dreimaligem Singen des „Lumen Christi“ (Licht Christi) in die noch dunkle Kirche getragen wird. In der Osterkerze, die im vierten Jahrhundert nach Christus Eingang in die christlichen Riten fand, vereinigen sich griechische, jüdische, römische und auch christliche Lichttraditionen. Als Symbol des Lebens steht das Licht bei den Christen für den auferstandenen Jesus Christus und damit für das ewige Leben. 
Das Ei galt bereits früh in der Kulturgeschichte als Ursprungsort des Menschen oder gar des Universums. Schon in der Urchristenzeit war es Sinnbild des Lebens und der Auferstehung, sodass dem Verstorbenen ein Ei ins Grab mitgegeben wurde. Das Ei hält etwas verborgen, ist wie ein verschlossenes Grab. Aus einem scheinbar toten Körper schlüpft schließlich etwas Lebendiges. Damit wird die Beziehung zur Auferstehung Christi deutlich. Auch die Frage nach der Ewigkeit kann durch die Form des Eies – ohne Anfang und Ende – und die Frage, ob zuerst Ei oder Huhn war, gedeutet werden. Daneben war das Ei im Mittelalter eine Berechnungseinheit für Pacht und Zins. Ostern war ein feststehender Zahlungstermin. Dann erhielten die Grundherren als Gegenleistung für gepachtetes Land Eier und andere Naturalien. Zudem war während der Fastenzeit auch der Genuss von Eiern untersagt. Bis zum Osterfest, das die Fastenzeit beendet, sammelten sich somit viele Eier an. In der christlichen Tradition Ägyptens sind seit mehr als 1000 Jahren farbige Eier bekannt. In der westlichen Welt ist seit dem 13. Jahrhundert Rot die traditionelle Farbe für das Ei. Es ist die Farbe des Blutes Christi, des Lebens, des Sieges und der Lebensfreude. In Osteuropa findet man eher goldfarbene Eier als Zeichen der Kostbarkeit. 



Informativ und entspannend

Bei den kommenden Veranstaltungen von Aetas geht es jeweils um richtige Testamentgestaltung und um traumasensibles Faszientraining?

Wer seinen Nachlass zu Lebzeiten regeln will, steht als Laie vor vielen Fragen. Welche Gestaltungsmöglichkeiten habe ich bei der Errichtung eines Testaments, und welche Formvorschriften muss ich beachten? Wann ist ein Testament notwendig und was kann ich überhaupt in einem Testament regeln? Was ist der Unterschied zwischen Testament und Erbvertrag? Wer kann ein gemeinschaftliches Testament errichten? Welche Besonderheiten muss ich im Falle der Scheidung beachten, und welche Regelungen sind für eine Patchworkfamilie zu empfehlen? Katharina Mirz, Fachanwältin für Familien- und Erbrecht, beantwortet in einer Informationsveranstaltung bei Aetas Lebens- und Trauerkultur am Mittwoch, 26. April von 17.30 bis 19 Uhr die wichtigsten Fragen; der Eintritt kostet 10 Euro. Unzählige Nerven, Bewegungssensoren und Schmerzrezeptoren machen das Netzwerk der Faszien zum größten sensorischen Organ des Körpers. Die Nervenzellen der Faszien speichern die körperlichen Erfahrungen und prägen die Wahrnehmung der Körper- und Gefühlslandschaft. Stressreaktionen auf die Belastungen des Alltags und traumatische Belastungen wie der Verlust eines geliebten Menschen führen zu Phänomenen der Erstarrung. Die Choreographin und Trainerin Yvonne Pouget hat eine spezielle Form des Faszientrainings entwickelt, die die Faszien nicht mechanisch trainiert, sondern traumasensibel. Dieses Faszientraining hilft, chronische Erstarrungsphänomene und Spannungen zu lösen. In sechs Kursterminen lernen die Teilnehmer, ihr Körpergefühl und ihre Beweglichkeit zu verbessern und sich mit dem Leben verbunden zu fühlen. Die Termine sind jeweils mittwochs, 26. April sowie 3., 10, 17., 24., 31. Mai, jeweils 19 bis 21 Uhr. Die Kursgebühr beträgt 160 Euro. Ort sämtlicher Veranstaltungen sind die Räumlichkeiten von Aetas Lebens- und Trauerkultur in der Baldurstr. 39, 80638 München (U1 Westfriedhof). Anmeldung jeweils unter Telefon 0 89/15 92 76 0, weitere Infos erhalten Interessenten auf Anfrage unter info@aetas.de sowie auf der Homepage www.aetas.de.

 



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