Sarg und Urne sind besondere Dinge

Der Verstorbene soll würdig und passend ruhen.

Foto: Aeternitas

Bei der Auswahl von angemessenen Produkten für die Bestattung ist Fingerspitzengefühl notwendig

Produkte und Dienstleistungen werden heute zunehmend bequem im Internet bestellt. Die Preise werden zuvor verglichen und nach der Bestellung wird die Ware direkt zum Kunden nach Hause geliefert. Stirbt ein geliebter Mensch, bedarf es allerdings individueller Beratung, die nicht mit wenigen Klicks im Internet erledigt werden kann – der Gang zum Bestatter bietet mehr als einen günstigen Sarg. Bestatter kaufen für den Einsatz in ihren Bestattungshäusern zwar Särge, Urnen, Bestattungswäsche und tröstende Erinnerungsgegenstände ein. Doch dazu gehört großes Fingerspitzengefühl. Denn die Produkte sollen zum Verstorbenen passen und einen adäquaten Preis haben. Christian Streidt, Bestatter in Ulm und Präsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter berichtet aus seiner alltäglichen Berufserfahrung: „Die Wünsche der Angehörigen sind sehr unterschiedlich und auch in den verschiedenen Regionen unseres Landes ganz differenziert ausgeprägt. Da kann man nicht einfach etwas einkaufen und dann versuchen, es Trauernden aufzureden. Es kommt darauf an, zu verstehen, was für ein Mensch der Verstorbene gewesen ist und wie er durch die richtige Auswahl eines Sarges, einer Urne oder anderer Utensilien eine ehrliche und authentische Würdigung erfährt.“ Würde habe dabei nicht primär etwas mit einem hohen Preis zu tun, sagt Streidt, der sich als persönlicher Wegbegleiter versteht und seine handwerklichen Fähigkeiten zur Ehre der Verstorbenen und zum Wohl der Angehörigen einbringen möchte – so wie seine über 3200 Bestatter-Kollegen in ganz Deutschland. Aktuell wird vermehrt von einem Trend zu ökologischen Bestattungswaren berichtet. Viele Menschen interessieren sich für eine „grüne Bestattung“, doch welche Produkte sind wirklich umweltbewusst? Der Bestatter kann beraten, ob die Urne biologisch abbaubar ist oder die Stoffe bei Sargauskleidung und Decke das Bio-Siegel verdienen. Erst jüngst wurde auf der Forum Befa, einer Fachmesse für Bestattungswaren, ein elektrisch angetriebener Bestattungswagen vorgestellt, der die Überführung zum Friedhof CO2-neutral erlaubt. Werner Kentrup, Bestatter aus Bonn, hat gerade erst die sogenannte „Grüne Linie“ auf den Markt gebracht und versteht darunter eine wirklich umweltbewusste und ökologisch nachhaltige Bestattung. Dabei weiß Kentrup, dass viele Hersteller inzwischen mit Umweltversprechen ihre Produkte bewerben, ein kritisches Hinterfragen bei Särgen, Urnen und Gegenständen im Einkauf aber durchaus angebracht ist.

Umweltbewusste und ökologisch einwandfreie Bestattung

Bei allen Produkten rund um den Friedhof wie zum Beispiel Grabsteinen oder Grabbepflanzung kennt sich der qualifizierte Bestatter aus. Er arbeitet mit Experten wie Steinmetzen und Gärtnern zusammen und kann Menschen gut beraten. Er kennt die Vorschriften, die auf dem jeweiligen Friedhof herrschen und welche Gestaltungsspielräume es regional gibt. Auch was die Grabpflege betrifft, ist er Experte: Es gibt heute viele pflegefreie Grabanlagen, die nicht teuer sein müssen, sodass, auch wenn die Familie weit verstreut lebt, das Grab immer schön und gepflegt aussieht. Bei der Gestaltung der Trauerfeier und der immer öfter damit verbundenen Erstellung von Fotobüchern zur Erinnerung an den Abschied eines geliebten Menschen oder der Anfertigung eines individuellen Schmuckstückes, das etwa den Fingerabdruck des Verstorbenen trägt, kann der Bestatter ebenfalls Hinweise geben, wie man als Angehöriger sinnvoll Erinnerung ermöglicht. Bestatter werden manchmal gefragt, ob man sich als Sohn oder Tochter bei der Gestaltung des Sarges beteiligen könne. Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter, weiß aus seinem beruflichen Kontakt zu vielen Bestattern, dass es Angehörigen ein Bedürfnis sein kann, den Sarg zu bemalen oder die Trauerfeier mitzugestalten und damit einen ganz persönlichen Abschiedsgruß auszudrücken. „Angehörige wollen bei der Auswahl von Bestattungswaren ernst genommen und beteiligt werden“, sagt Neuser. Um sich nicht erst im akuten Todesfall und im Zustand der inneren Erschütterung zu schnellen Entscheidungen gedrängt zu fühlen, ist es ratsam, bereits zu Lebzeiten beim Bestatter die eigenen Wünsche auch für Waren und Dienstleistungen zu besprechen und eine Bestattungsvorsorgevereinbarung zu treffen. Mehr Infos gibt es unter www.bestatter.de



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