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Kondolenz
Hast Du eine Alte, dann hast du ein Juwel
17.11.2025 um 17:21 Uhr von Barbara RodeAm 31.Oktober ist Gisela Achminow im Alter von 100 Jahren verstorben.
Vor mindestens zwei Jahrzehnten hat sie mir das Versprechen abgenommen, ihren Nachruf zu verfassen. Schön, dass Gisela sich so viel Zeit gelassen hat, damit ich erst nun mein Versprechen einlösen kann. Die Zeitschriften “Auf Draht“ und „24/7“, in der er erscheinen sollten, sind bereits eingestellt worden, deshalb wähle ich diesen Weg.
Hast du eine Alte, dann hast du ein Juwel
frei nach einer chinesischen Weisheit
Mir war Gisela lange Zeit ausschließlich als Chefredakteurin der Zeitschrift „Auf Draht“ bekannt. Erst 1998 mit der Gründung der Bundesvertretung der Ehrenamtlichen in der TelefonSeelsorge, BETS Deutschland, begegneten wir uns persönlich. Sie war, neben ihrer Funktion als Chefredakteurin, eine der Delegierten aus dem Forum Bayern und ich aus der Ehrenamtsvertretung von Westfalen.
Die anspruchsvollen Ziele von BETS Deutschlands waren die Vernetzung und der Austausch aller Ehrenamtlichen in Deutschland, sowie die Kontaktaufnahme mit der evangelisch katholischen Kommission. Mit dem Motto „Kultur ist Zusammenarbeit“ erreichten wir einen festen Platz in der Organisationsstruktur der TelefonSeelsorge Deutschland.
Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde Gisela mein TS-Juwel. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits 73 Jahre alt und hatte das Erscheinungsbild einer Dame. Sie wirkte zurückhaltend und kühl, konnte zuhören und kritische Fragen stellen, energisch, hartnäckig und immer klar. Durch ihre Kenntnisse über die Organisationsstruktur war sie unsere hilfreiche Quelle, um die komplexen TS-Zusammenhänge ansatzweise nachvollziehen zu können. „Wo können wir, bei wem, in welchem Gremien, zu welcher Position Stellung beziehen?“ Dies und ihre spürbare Wertschätzung für unser mutiges Engagement trugen uns über so manche Klippen und Rückschläge.
Gisela wurde auch polarisierend erlebt. Auf der einen Seite gab es für ihre redaktionelle Arbeit und ihren Einsatz für die Zeitschrift „Auf Draht“ einen einheitlichen Konsens von Anerkennung und Wertschätzung, zum anderen gingen einige bei ihrer Art und Meinungsstärke lieber auf Distanz zu ihr.
Nun zu der Alten, zum Mensch Gisela. Eine Kämpferin war sie, für ihre Familie, ihre Werte und die Meinungsfreiheit. Offenheit und Neugier machten sie aus. Flirten konnte sie und ihren Charme versprühen. Ihr Lachen und Lächeln erreichten stets ihre Augen und eitel wachte sie über jedes Foto von sich, mit den Worten: „Wer will schon eine alte Frau sehen“. Das hatte zur Folge, dass es nur 1-2 ausgewählte Fotos gab, die ihr Vorwort in „Auf Draht“ und Ihre Veröffentlichungen jahrelang schmückten.
Wenn wir in München tagten, wohnte ich bei ihr in ihrer legendären, vielräumigen Altbauwohnung, mit knarrenden Dielen, einem für mich undurchschaubarem Grundriss, kleinstem Badezimmer und etwas größeren Küche, die sie sich mit ihren Untermietern teilte. Sie sah vieles pragmatisch und gelassen und war gerne Gastgeberin.
Gisela war eine Liebhaberin der Sprache, Texte und Worte. Es gab nur einen Begriff, der in ihrem Wortschatz fehlte. Er lautete „Altersbegrenzung“.
Erst 2011 wechselte die Chefredaktion von „Auf Draht, 24/7“ zu Birgit Knatz (Hagen).
Sie schrieb weiter Artikel und blieb in der Chat Seelsorge tätig, da sie dies von zuhause aus leisten konnte.
Gisela war ein tiefreligiöser Mensch und berief sich oft auf „den Herrn“, der es sie so machen ließ, wie es ihm gefällt. Sie war fest verwurzelt in ihrer Gemeinde. Ein häufiger Satz von ihr lautete, „Ich mache es so lange, bis der Herr mich abberuft“. Das hat er nun getan und ich bin sicher, nun vor Ort, haben die beiden viel, auf das sie gemeinsam zurückblicken können und zu bereden haben.
Für mich ist und bleibt Gisela ein TS-Juwel und es beglückt mich, dass ich sie über die Arbeit hinaus kennenlernen durfte.
Mein Mitgefühl gilt ihrer Familie und den Menschen, die sich Gisela nah fühlten.
„Möge dir die Erde leicht sein“
Barbara Rode,
ehemalige Sprecherin von BETS Deutschland (Bundesvertretung der Ehrenamtlichen in der Telefonseelsorge und Offenen Tür – BETS)
Supervisorin der TelefonSeelsorge Recklinghausen und Bochum